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Es ist fast zwei Jahre her als Thomas Godoj sein zweites Werk "Richtung G" veröffentlichte. Zwei Jahre, in denen der Sänger vor allem viel live gespielt hat, sich ein neues Management (kick-management.de) und eine neue Plattenfirma (SPV) gesucht hat und einige Mitglieder der Begleitband ausgetauschte, um u.a. seinen langjährigen Kumpel Christian Bömkes mit an Board zu holen. Alles sollte genau seinen Ansprüchen gerecht werden, seinen Vorstellungen entsprechen, sein Herzblut enthalten.
Das Ergebnis heißt "So Gewollt" und wurde in den Valicon Studios Berlin aufgenommen und von dem Label SPV am 14. Oktober 2011 veröffentlicht. Die Scheibe beinhaltet 12 Songs und einen Bonustrack, der bereits auf der Richtung G-Tour gespielt wurde. Los geht es, für viele sicher überraschend, rockig. "Ein Tag im Leben eines anderen" erzäht von einem Typen, der sich selbst nicht mehr im Spiegel anschauen kann, da ihm sein Leben langweilt und er gerne ein anderes hätte. Vielleicht auch eine Anspielung auf Thomas Godojs "normales" Leben als Hartz 4 Empfänger vor dem Sprungbrett Castingshow?
Danach folgt das sozialkritische "Niemandsland", das im Dezember 2010 in seiner Rohfassung Premiere feierte. Auch auf den Sommer Gigs wurde es in veränderter Form gespielt, aber die Studioversion ist eindrucksvoller denn je. Am Ende des Songs hat Thomas sogar den Kölner Kinderchor mitsingen lassen. Es geht darum, dass die Menschheit die Augen vor der Wirklichkeit verschließt. Dies wird in ironischen Methapern aus dem Leben verdeutlicht.
Es geht weiter mit dem Song "Meine Welt ist es nicht", der ursprünglich "Still" hieß und aus seiner Wink-Zeit (ehemalige Band des Sängers) stammt. Der Titel handelt von Depressionen und das machen die jaulenden Gitarren direkt am Anfang des Stückes klar. Der vierte Song ist "Dächer einer ganzen Stadt" und damit die erste Single aus dem neuen Album, die bereits am 07. Oktober 11 erschien und auf Platz 55 in die Single-Charts einstieg. Fans konnten bei Facebook aus fünf verschiedenen Songschnipseln ihren Favoriten wählen. Die etwas makabere Liebesgeschichte hat es schließlich geschafft. Sie ist vom Sound her radiotauglich und geht direkt ins Ohr.
"Wir zählen die Tage" kann vielseitig interpretiert werden. Außeinanderleben in zwischenmenschlichen Beziehungen, aber auch geschäftlich. Das weiß wohl nur Thomas selbst. Ein Punkt könnte jedoch die Trennung von einigen Mitgliedern der alten Begleitband sein, da diese sich offiziell musikalisch außeinandergelebt hatten. Eine ruhige, eingängige Melodie mit realistischem Text kennzeichnet den Song. "Herzblut" ist hingegen ganz offensichtlich ein Liebeslied an seine Heimatstadt Recklinghausen, der der gebürtige Pole immer noch treu ist. Jeder der eine glückliche Kindheit in einer Kleinstadt erlebt hat, kann sich in dieses Lied sehr gut hineinfühlen. Der Refrain ist wieder einmal deutlich rockig, wenn auch die Wortwiederholungen nach einer Zeit nerven können. "Legendensommer" zeigt die außerordentlich poetische Seite des Songwriters Christian Bömkes, der Thomas Godoj bei fast allen Tracks kräftig unter die Arme Griff. Thomas´ Stimme klingt markant und kommt deutlich zur Geltung.
Der gleichnamige Titelsong "So gewollt" klingt auch genau wie "So gewollt". Rockig und nach vorne präschend. Er wurde bereits bei der geheimen Release-Show in Köln als Opener verwendet und brachte das Luxor zum Kochen. Erwähnenswert ist das tolle, instrumentale Solo am Ende. Gitarrist Jörg Weisselberg und Drummer Torsten Bugiel leisten hier erstklassige Arbeit. "Wenn ich geh" ist eine Neuauflage des Songs "Spuren" seiner ehemaligen Band Wink. Ein tiefsinniger Text, der an manchen Stellen vielleicht erst bei mehrmaligen Hören ganz erfasst wird. Der Refrain ist wieder einmal deutlich rockig und gitarrenlastig gehalten. Die ruhigen Strophen bieten einen guten Kontrast. "Abschließen können" erklärt sich textlich von selbst. Es ist vielschichtig interpretierbar, aber man erkennt deutlich, dass Thomas Godoj abgeschlossen hat. Mit allen Personen, die ihm den Weg schwer gemacht haben und mit allen Konzequenzen. Auch wenn der Refrain im Gegensatz zu den Strophen einfach gehalten ist.
"So weit so gut" hebt sich stark vom Rest des Albums ab. Bereits bei den ersten Klängen ist man sehr überrascht von der Melodie, die fast schon altmodisch und locker im Hintergrund klimpert. Dieses "in den Tag Leben leben" soll der Song aussagen, wenn der Text auch manchmal etwas ungünstig gewählt wurde. Auch die Stimmlage zieht einigen an manchen Stellen vielleicht fast die Schuhe aus. Ist das auch so gewollt? Die letzten Zeilen bilden jedoch einen guten Abschluss des ganzen Albums, heißt es doch: "Alles wird gut" . Der letzte Song "Von allem Etwas" ist der Fangemeinde schon seit 2009 bekannt, hat es nun aber endlich auf das Album geschafft. Es hat eine eingängige Melodie, die sofort ins Ohr geht. Gesanglich übertreibt Thomas Godoj am Ende mit der Kopfstimme etwas.
Insgesamt ein sehr gutes, ehrliches und viel rockigeres Album, das einen selbstbewussten Thomas zeigt, der ganz genau weiß, was er will. Sicherlich hat er mit diesem Album geschafft sich Respekt bei der Medienwelt zu verschaffen, denn "So gewollt" ist eine große musikalische Steigerung zu den Vorgängern. Sein größtes Kapital sind aber dennoch die Live-Konzerte, da die Songs dort vom Sound her noch viel kraftvoller zur Geltung kommen. Wem die musikalischen Werke auf "So gewollt" ansprechen, sollte ein Konzert der "So gewollt" Tour im Dezember besuchen. Diese beginnt tradiotionell in Godojs Heimatstadt Recklinghausen. Und hier die Tourdaten auf einen Blick
03.12.11 - Recklinghausen (Vest Arena) ausverkauft 04.12.11 - Recklinghausen (Vest Arena) 06.12.11 - Frankfurt am Main (Nachtleben) ausverkauft 07.12.11 - Hamburg (Knust) 09.12.11 - Köln (Luxor) 11.12.11 - Berlin (Lido) 12.12.11 - München (Ampere/Muffatwerk) 14.12.11 - Stuttgart (DasCann) 15.12.11 - Hannover (Musikzentrum Hannover) 16.12.11 - Oberhausen (Schacht1) Interessante Links:Thomas im Interview Jetzt das Album downloaden Jetzt Tickets sichern
Foto: © SPV |