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Phantomschmerz mit Tiefgang

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Geschrieben von: Adriane Haussmann   
Donnerstag, 22. Januar 2009 15:07
Es ist ein Album der Gegensätze und absurden Wortkombinationen, dass da seinen Weg am 05. September in die Regale des Plattenhandels  fand. Es ist die Rede von „Terroristen aus Liebe“ und von „Unserer ersten Scheidung“, Aussagen bei denen wir uns im ersten Moment nur wundern.

Doch wenn man sich mit Sven van Thom einmal auseinandersetzt, wundert einen nichts mehr. Der 1,69m kleine Mann mit der schwarzen Brille auf der Nase scheint einfach anders zu denken. Er sieht die Welt mit anderen Augen – ob das wohl an der Brille liegt?

 

So fordert er fast liebevoll  „Schatz halt’s Maul“ und gedenkt Jeanette Biedermann in einem Song, weil er sich Sorgen macht, was aus der Sängerin mittlerweile geworden ist. Er scheint eine sehr sensible Seite zu haben, dieser seltsame Kauz aus Berlin. Dennoch behauptet er: „Gefühle sind Säue“ und fügt hinzu: „Die Liebe ist ein Schwein!“.

Vielleicht, weil er das „Traurige Mädchen“  nicht glücklich machen kann, obwohl er sie liebt? Warum muss sie auch einen anderen lieben? „Ich bin glücklich – ich könnte weinen“, gesteht Sven van Thom und spricht den Teil des Smalltalks aus, den die meisten aussparen, um die Fassade zu wahren, wenn man seinem ehemaligen Partner gegenüber steht.

 

Er definiert Schönheit neu und besingt Themen, die für uns so alltäglich geworden sind, dass wir sie kaum noch aktiv wahrnehmen. Doch da der Berliner kein Fernsehen sieht und auch so gut wie nie die Zeitung liest, sind genau solche Dinge für ihn der Stoff für seine Geschichten – während wir dafür abends die Glotze anschalten müssen, um das ‚wahre Leben‘ in Soaps zu sehen.

Und weil er scheinbar keine Ahnung hat wie es die anderen machen, kombiniert er amüsante Melodien und Western-Gitarren a là Ennio Morricone mit ernsten Themen, klingt manchmal nach Chanson und weiß ein anderes Mal nicht recht, ob er singen oder sprechen soll und landet dann in einer Art melodiösem Geschichten erzählen.

 

Und so verkündet er auch ganz zum Schluss seines Debütalbums „Phantomschmerz“, dass er Berlin gekauft habe, es nun Jacqueline hieße und noch ein paar Veränderungen auf die Stadt zukommen würden.

Es ist ein wirres Album, eine seltsame Stimme, ein undurchschaubarer Künstler, aber man kann sich mit allem anfreunden und muss dann doch irgendwo gestehen, dass dieser Mensch mit einigen Punkten irgendwie Recht hat und vielleicht macht sich das Album ja im heimischen Plattenregal auch nicht so schlecht.

 

Interessante Links:
Rosenstolz - sie haben noch etwas für ihre Fans
Polarkreis 18 - doppelt hält besser
Cassandra Steen - ein überzeugendes Debüt

 

Foto: © Starwatch

 
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