| Wirtz – ein beängstigend direktes Debüt |
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| Geschrieben von: Michael Hellstern |
| Sonntag, 22. Februar 2009 10:27 |
Schon beim ersten Hören der CD entsteht ein gewisser Wiedererkennungseffekt. Kein Wunder, denn Daniel Wirtz ist kein anderer als der Sänger der Band Sub7even aus dem Ruhrpott, die im Jahr 2000 mit dem Song „Weatherman“ einen Top-40 Hit zu verzeichnen hatte. Nach eher mäßigem Erfolg der weiteren Platten legt „Wirtz“ nun sein Solodebüt vor.
Vom Sound her orientiert er sich an Genregrößen wie 3 Doors Down. Schön arrangierte Melodien treffen auf harte Riffs. Viele der ruhigeren Songs beginnen nur mit einer Akustikgitarre, steigern sich dann merklich im Refrain und gegen Ende des Liedes und sorgen so für eine abwechslungsreiche Songvielfalt. Über allem dominiert seine herausragende Stimme, die hier noch viel stärker zur Geltung kommt, als noch auf den Alben von Sub7even.
Eine radikale Änderung hat sich vor allem beim Songwriting vollzogen: Daniel Wirtz singt nun auf Deutsch! Auf seiner Myspace-Seite sagt er über sein Album: „Hier erzähle ich dir ein wenig aus meinem Leben. Etwas über meine Fehler, Träume und Sichtweisen. So wie ich bin, so wie ich‘s sehe. Mit runtergelassener Hose… Bereit für die Bühne, um vor Freunden und Fremden den Seelenstrip zu praktizieren.“ Den wiederum vollzieht er im wahrsten Sinne des Wortes. Er bedient sich einer sehr einfachen Sprache, wie beispielsweise gleich in den ersten Zeilen seiner Single „Ne Weile her“:
„Ich hab gefickt, ich hab betrogen
Natürlich lässt sich hier argumentieren, dass Daniel Wirtz extrem ehrliche Texte schreibt, in denen er aus seinem Leben erzählt und nichts beschönigt. Die Frage ist nur, welche tiefere Botschaft sich hinter Texten dieser Art verbirgt – oder ob es nicht möglich wäre die Aussagen etwas neutraler zu formulieren. Der Weg zu den Radiosendern ist Wirtz bei Texten dieser Art von vorn herein versperrt, doch das scheint seinem Erfolg keineswegs zu schaden. Wirtz belegte bei den „Live Entertainment Awards 2008“ zum Club-Künstler des Jahres den zweiten Platz und ließ dabei erfolgreiche Bands wie Polarkreis 18 oder 30 Seconds to Mars hinter sich.
Das Intro des Songs „Wo ich steh“ beginnt mit dem Telefonanruf eines Mannes, der Daniel Wirtz beschimpft und angreift. Wirtz schlägt nun im Song zurück: „Wir zwei sind leider nicht im selben Rudel
Vor allem bei diesem Song wirkt die Ehrlichkeit von Wirtz doch etwas übertrieben. Ob Authentizität mit solchen Vergleichen erzeugt werden kann, muss jeder Hörer für sich selbst entscheiden. Ansonsten dominieren vor allem Songs über zerbrochene Beziehungen auf der CD. Wirtz schafft es unter anderem mit seiner zweiten Single „Keine Angst“ sehr glaubwürdig den Trennungsschmerz zu formulieren.
Alles in allem legt er hier trotz deutlichen Schwächen bei den Songtexten ein wirklich starkes Debüt vor, das Lust auf mehr macht. Für den Herbst 2009 ist bereits sein neues Album geplant. Man darf gespannt sein, was sich Daniel Wirtz diesmal einfallen lässt. Interessante Links:Leise Töne von den Toten Hosen?Die Wahrheit über.. Farin Urlaub
Foto: © Wirtzmusik |