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Wie wärs damit?

Mikroboy – Nennt es wie ihr wollt!

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Geschrieben von: Michael Hellstern   
Samstag, 24. Oktober 2009 12:43
Die vierköpfigen Mikroboy legen nach einer drei-jährigen Odyssee durch die Republik endlich ihr Debütalbum vor. Das Album hört auf den schönen Namen „Nennt es wie ihr wollt“.

Bereits 2008 veröffentlichte man die EP „Bis zum Ende“ und schon damals war klar, dass hier Großes entsteht. Erwartungen, die Mikroboy aus Mannheim auf ihrem Debüt mühelos erfüllen. Schubladendenken gibt es bei Mikroboy nicht, ein Umstand auf den auch der Titel „Nennt es wie ihr wollt“ anspielt. Intelligente, deutsche Texte, die auf jeden Fall nach Hamburger Schule riechen und dann aber doch eine gehörige Portion Eigenvielfalt offenbaren.

Im Hintergrund elektronische Beats aus der Kettcarecke, die auf Pianoklänge treffen und mit diesen verschmelzen. Kein Wunder, dass hier Produzent Swen Meyer (Tomte, Kettcar) seine Finger im Spiel hatte. Dabei ist die Musik von Mikroboy aber weniger rockig als Kettcar und weniger auf Akustikgitarren und Indiegeschrammel ausgelegt als Tomte, sondern eher dem Pop-Bereich näher.

 

Das Album startet mit „Glück reimt sich auf Augenblick“ reichlich ungewöhnlich mit einem 3-minütigen Elektrosolo ohne Gesang. Ein mutiger Beginn, der sich aber zu lange hinzieht bis dann endlich die Stimme von Sänger Michi Ludes einsetzt und so fast schon zum Drücken der Skip-Taste einlädt.

„Raus mit der schlechten Luft, rein mit der guten“ setzt dann ein erstes Highlight. Die erste Singleauskopplung überzeugt durch toll arangierte Melodien und einen eingängigen Gesang. Die zarten Elektroteppiche im Hintergrund verschmelzen perfekt mit den melodischen Klaviertönen. Die Refrainzeile „Bring mich irgendwo hin, wo man Zeit überwindet, wo die Trauer verschwindet für einen Moment und man endlich erkennt - Aufstehen und Weitergehen“ lässt sich nicht mehr so schnell aus den Gehörgängen verbannen und macht Lust auf mehr. Genau das, was eine Singleauskopplung bewirken sollte.

 

Der nächste Song „Nichts ist umsonst“ glänzt durch behutsame Strophen und einen schnellen eingängigen Refrain. „Du, nicht wir!“ ist ohne Frage einer der besten Songs von Mikroboy, der die Band schon seit ihrer Entstehung begleitet. Allerdings ist die Version auf dem Album eine deutlich abgespecktere, bei der mehr Wert auf elektronische Spielereien gelegt wird – ein Umstand, der seitens der Fanschaft bedauert wurde. Trotzdem ist auch diese Version von „Du, nicht wir!“ ein wunderbarer Song über das Ende einer Liebesbeziehung.

Songs wie „Neue Zeiten“, „Apollo“ und „Alle Menschen verlieren Sachen“ im mittleren Bereich der CD sind gewiss nicht schlecht, können aber das anfänglich hohe Niveau der CD nicht halten. Insgesamt sind sich die Songs einfach zu ähnlich und haben keinen hohen Wiedererkennungswert. Für ein wenig Abwechslung sorgt hier nur der unterstützende Backgroundgesang von Sängerin Anneli Bentler.

 

„Vom Leben und Verstehen“ setzt am Albumende noch einmal einen echten Höhepunkt. Das Lied hat einen ruhigen, melancholischen Beginn, steigert sich am Ende aber in ein grandioses Finale. „eine Überdosis Glück im Augenblick und wenn es nötig ist bleibt nichts davon zurück – was zu dem Schluss führt, dass die Fantasie gewinnt“ drückt mit emotionaler Bedrücktheit den Kerngedanken des Liedes aus.

Selbst das letzte Stück der CD ist kein Lückenfüller. Mikroboy können auch auf Englisch tolle Pop-Melodien schreiben und beweisen dies in „This Room“ mit einer wundervollen Kooperation mit der deutschen Band Get well Soon.

 

Nach diesen Eindrücken kann man als Fazit festhalten: Auf ihrem Debütalbum vereinen Mikroboy einige wirklich starke deutsche Songs. Der Grundton der CD ist bei allem Lob aber fast durchgängig trüb und traurig. Die tolle Stimme von Sänger Michi Ludes schwelgt geradezu in Melancholie. Ein bisschen mehr Frohsinn hätte hier sicherlich nicht geschadet und den Abnutzungsfaktor der Songs nach unten geschraubt. Im Mittelteil der CD geht dem Album ein wenig die Puste aus. Als ob sie mit angezogener Handbremse fahren würden spielen sich Mikroboy hier durch ihre Songs, die sicher viel Potenzial haben, aber das nicht ausreizen können. Davon abgesehen liefern die Mannheimer auf „Nennt es wie ihr wollt“ jedoch ein insgesamt starkes Debüt ab.

 
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Foto: © edel

 
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