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Wirtz – Ein Erdling erblickt das Licht der Welt

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Geschrieben von: Michael Hellstern   
Samstag, 05. Dezember 2009 13:42
Das berühmt berüchtigte zweite Album entscheidet oft, ob aus einem Erfolgsdebüt eine langfristige Erfolgsstory wird, oder ob es bei einem kurzen Strohfeuer bleibt. Daniel Wirtz , der ehemalige Frontsänger der chartstürmenden Rockband Sub7even, kann bereits viele Jahre Erfahrung im Musikbusiness vorweisen. In seinem Soloprojekt „Wirtz“ umschifft er dabei gekonnt jede Klippe, die auch nur kleinste Zweifel daran hegen könnte, das erste Album sei ein Schuss ins Blaue gewesen.

 

Nach seinem starken Debütalbum „11 Zeugen“ veröffentlichte Wirtz im Oktober sein neues Album „Erdling“. Wieder setzt er sich in seinen Texten mit autobiographischem auseinander, denn viele der Texte stammen aus seinem eigenen Leben. Das Spiel mit Laut und Leise beherrschte Wirtz schon auf seinem Debüt in Perfektion. Auf dem Nachfolger knüpft er daran an und vertieft dies sogar noch. Der Abnutzungsfaktor des Albums bleibt durch die abwechslungsreichen Songs gering. Textlich geht Wirtz auch weiterhin voll auf die Zwölf und steckt mit keiner Zeile zurück.

 

Gleich im ersten rockigen Track „Im Freien Fall“ gibt er dem Hörer einen Vorgeschmack auf das, was ihn auf dem Album erwartet:
„Ein Jahr zog ins Land, ich weiß 'ne Weile her.
11 Zeugen wurden benannt, jetzt ist die Zeit für mehr.
Träume, Liebe, Wahrheit und Schmerz mal freundlich mal im Zorn.
Unprätentiös und direkt Wirtz in reinster Form.“

 

Wie schon auf dem ersten Album nennt sich Wirtz häufig selbst in seinen Texten beim Namen. Dies ist man normalerweise eher von Hip-Hop Künstlern gewohnt, aber es baut die Distanz zu seinem Publikum ab. Beim Hören wird deutlich, dass die Texte von Wirtz eine ganze Spur reifer und nachdenklicher geworden sind. Im mittleren Bereich der CD wird Wirtz sogar fast politisch, so zu hören in „Meilenweit“.
 
„In Rom erzählt ein Mann, das Gottes Wille auch zählt wenn man den Virus in sich trägt.
Am anderen Ende der Welt wird von `nem Gott erzählt der es zu schätzen weiss, wenn du dich in Fetzten reisst.“

 

In dem Song treffen die gewohnt starken Melodien von Wirtz auf nachdenklich stimmende Texte. Einem ruhigen Songbeginn folgt ein krachender Refrain, der den Song zu einem der Besten auf dem Album werden lässt. In die gleiche Richtung orientiert sich „Frei“. In wunderbarer Weise setzt Daniel Wirtz mit diesem Song sein Statement für die Freiheit und gegen Menschenrechtsverletzungen auf der Welt.

 

Auf der ersten „Erdling“ -Singleauskopplung „L.M.A.A.“ zeigt sich Wirtz wieder von seiner härteren Seite. Der straighte Rocksong ist seine persönliche Antwort auf alle Kritiker, die ihn auf Grund seiner Musik oder der Texte auf dem Debütalbum anfeindeten.
„Wirtz mein Name - Guten Tag!
Ich mach's mal kurz: L.M.A.A.!
Ja, ich mein es so, wie ich es sag'!
Und damit kommt 'n Typ wie Du nicht klar!

 

Zieh Dir das Stöckchen aus dem Arsch!
Du willst es süß? Hier gibt`s nur scharf!
Hier kommt die Wochendosis "Hallo Wach"!
Deine Begegnung mit der dritten Art !“

 

Textlich gesehen ist das zwar nicht Lyrik vom feinsten, aber so ist Daniel Wirtz nun einmal. Er will die Message seiner Lieder so direkt wie nur möglich vermitteln. Der Song ist  auf jeden Fall einer Single würdig und hat einen nicht abzusprechenden Ohrwurmeffekt.
 
Das Album schließt mit den wunderschönen Balladen „Siehst du mich“ und „Nada Brahma“ sowie dem Bonustrack „Overkill“.
 
Mit seinem Zweitwerk knüpft Wirtz direkt da an, wo er bei „11 Zeugen“ aufhörte. Die Texte sind eine Spur weniger aggressiv, doch nichts desto trotz schnell verständlich und direkt. Musikalisch deckt das Album von harten Rocknummern bis zu softeren Songs alles ab. Viele der Melodien schleichen sich sofort ins Ohr und bleiben dort lange Zeit haften. Gerade die Mischung aus melodischen Strophen und schnellen rockigen Refrains überzeugt hier erneut. Die Hitbreite seines ersten Albums kann Wirtz zwar nicht ganz halten, doch überzeugt das neue Album dafür durch seine kompakte Stärke. Die Liedabfolge wirkt wie aus einem Guss und sorgt so für eine gelungene Geburt des Erdlings. Der stolze Vater gibt auch live eine gute Figur ab und wird im neuen Jahr hoffentlich auf vielen Festivals seine Visitenkarte abgeben.

 

 
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