| Hassliebe - Im Niemandsland zwischen Metal und Punk |
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| Geschrieben von: Michael Hellstern |
| Mittwoch, 03. Februar 2010 10:07 |
Gibt man bei Google den Begriff Hassliebe ein, so werden
mehrere Tausend Treffer ausgespuckt. Unter den gefundenen Seiten befindet sich
gleich an dritter Stelle ein Bericht des Focus, der Hassliebe in der
Partnerschaft unter die Lupe nimmt: „Mangelndes Selbstbewusstsein sei der
Grund, wenn Paare sich heute abgöttisch lieben und morgen abgrundtief hassen.“
Sagt eine Yale-Psychologin. „Hassliebe ist die Quintessenz des Rock’n’Roll“,
sagt dagegen eine Band aus Bayern: Hassliebe.
Kraftvolle Gitarren mit ansteckenden Melodien, das ist das Markenzeichen der Band, die aus Bayern ganz nach oben will. Das Donauwörther Trio ist mit seinen deutschsprachigen Songs irgendwo im weiten Feld zwischen Metal und Punk anzusiedeln. Nach über 100 Konzerten in den vergangenen Jahren legen Hassliebe nun ihr Debütalbum vor – und das hat es in sich. 2009 spielten Hassliebe im Vorprogramm der Toten Hosen vor über 6000 Menschen. Damals stand aber noch nicht fest, dass der Produzent der Toten Hosen Jon Caffery später auch das Debütalbum der Donauwörther Band produzieren würde. Der Manager von Hassliebe schickte Jon Caffery auf gut Glück eine Democd – und landete damit einen Volltreffer. Der langjährige Produzent der Toten Hosen war sofort begeistert vom Sound des Trios. Schnell war man auf einer Wellenlänge und so übernahm er die Produktion von „Niemandsland“.
Musikalisch orientiert sich das Trio stark an den Böhsen Onkelz. Vor allem stimmlich gibt es da sehr viele Parallelen, auch wenn Hassliebe-Sänger Daniel manchmal ruhiger und sanfter sein Organ einsetzt. Im Gegensatz zu den Onkelz schielen Hassliebe was das Songwriting angeht aber eher auf die breite Masse, denn ihre Songs können durch eingängige und melodische Refrains auch den durchschnittlichen Rockfan begeistern. Der Mitgrölfaktor vieler Songs ist richtig hoch und so eignet sich das Album bestens für jede Punkrockparty. Der erste Song „Schwarzer Engel“ rockt sofort ordentlich los. Ein leicht aufnehmbarer Refrain, der sich sofort im Ohr festsetzt und durch seine melodische Klasse überzeugt. Textlich ist das Lied eher einfach gehalten, aber es wirkt dadurch sehr authentisch.
„Niemandsland“ beginnt zuerst einmal mit einem wenig
eindrucksvollen Instrumentalteil. Die Gitarrensoli hat man irgendwie alle schon
einmal gehört. Der Refrain entschädigt dann jedoch für vieles. „Nimm meine
Hand, lass uns fliegen, weiter vogelfrei ins Niemandsland“. Mit unheimlich viel
Herzblut singt Daniel von einer Flucht ins Niemandsland und lässt den Song so
zu einem der Highlights des Albums werden. Mit der Ballade „Einmal“ zeigen die Bayern ihre gefühlvollere Seite. Vor allem bei diesem Lied zeigt sich, dass Sänger Daniel Frisch auch durchaus sanft singen kann. Der ruhig beginnende Song „Mit Dir“ liefert vom Text her dann aber ziemliche Magerkost: „Ich möchte tanzen, lachen, springen, einfach die Sorgen mal vergessen, für einen Augenblick mit dir“. Der Pressetext, in dem das Album mit „stadiontauglichen Refrains im Stil zwischen The Clash und den Toten Hosen“ angekündigt wurde, übertreibt hier doch deutlich. Bis dahin ist es wohl noch ein weiter Weg. Mit „Schöne neue Welt“ schleicht sich aber zum Schluss noch ein Song in die Tracklist, der von der Machart her vor einigen Jahren auch auf einem Album der Toten Hosen hätte erscheinen können.
Einer der Kritikpunkte an dieser CD sind die bereits angesprochenen ziemlich ausufernden harten Soli. Sei es nun bei Bullet for my Valentine, den schon genannten Böhsen Onkelz oder bei den Toten Hosen – Hassliebe schaffen damit nichts Neues und können keinen eigenen Stil entwickeln. Anfangs können die Soli noch gefallen, aber je öfter man sie hört, desto langweiliger werden sie. Trotzdem ist Hassliebe mit ihrem Debütalbum „Niemandsland“ ein richtig gutes Album gelungen. Zwar fehlt vor allem dem zweiten Teil des Albums ein wenig die Power und die Vielfalt, aber der erste Teil der CD entschädigt dafür. Wer daran zweifelt, der sollte sich selbst von den Qualitäten der Bayern überzeugen – Ende Februar starten Hassliebe ihre große „Niemandsland-Tour“ durch Deutschland. Vielleicht steigen Hassliebe demnächst auch im Google-Ranking ganz nach oben – Die Zukunft wird es zeigen. Interessante Links:Hassliebe-Daniel im Interview Tickets für die Tour sichern!
Foto: © Suedpol |