Krawall und Remmidemmi mit Revolverheld |
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| Geschrieben von: Michael Hellstern |
| Freitag, 09. April 2010 17:42 |
Seit dem Sommer 2002 kennen sich die Jungs von Revolverheld.
In den Anfangstagen hieß die Band noch Manga, nannte sich dann aber Ende 2004
in Revolverheld um. Das Debütalbum „Revolverheld“ von 2005 schlug ein wie eine
Bombe und sicherte den fünf Jungs eine Top-Ten-Platzierung. Der Nachfolger
„Chaostheorie“ aus dem Jahr 2007 toppte den Erfolg noch einmal, das
Album stieg
bis auf Platz 3 der Albumcharts. Zur Europameisterschaft steuerten die
Jungs um
Sänger Johannes Strate mit dem Song „Helden 2008“ den offiziellen
DFB-Fansong
bei. Danach wurde es einige Zeit ruhig um die Band, doch nun sind
Revolverheld
mit ihrem neuen Album „In Farbe“ zurück.
Da Revolverheld aus dem schönen Hamburg stammen, könnte man
ja annehmen, dass auch sie von der so viel zitierten Hamburger Schule
beeinflusst wurden. Doch davon weit gefehlt. Wie ein Bulldozer überrollen
Revolverheld intelligente und nachdenklich machende Texte anderer Bands. Mit
dem neuen Album springen Revolverheld auf den sinnfreien Partyzug von Bands wie
Deichkind und Co. auf, die Texte ohne Anspruch sondern einfach nur Musik zum Feiern machen. Das Motto wird dann gleich im fünften Track „Immer einen
Grund zu feiern“ besungen – Hauptsache es reimt sich: „Denn es gibt immer einen Grund zu
feiern / Immer einen Grund / Von Hamburg-City bis ins tiefste Bayern / Es gibt
immer einen“.
Doch der
Reihe nach. Mit „Ich werde nie erwachsen“ startet das Album mit einem kleinen
Rockpaukenschlag. Klasse Timing, schnelle Gitarren und ein toller
Laut-Leise-Wechsel. Textlich jedoch
glaubt man den Titel Sänger Johannes Strate aufs Wort. „Ich werde nie erwachsen
/ Ich bleibe immer jung / Ich werde nie erwachsen / Brauche Veränderungen / Ich
werde nie erwachsen“ wird im Refrain unaufhörlich gesungen. Noch Fragen?
Die erste
Single „Spinner“ kommt vergleichsweise unspektakulär daher. Doch nach wenigem
Hören setzt sich der Song mit seiner tollen Melodie im Kopf fest. Ähnlich wie
„Mit dir Chillen“ vom Debütalbum eine sehr gute Singlewahl.
Schon seit dem ersten Album kann man die Jungs durch ihr
überzogenes Selbstbewusstsein, das man eigentlich eher aus dem Hip-Hop-Bereich
kennt, fast als Battlerapper der Rockszene sehen. Die Band findet sich und ihre
Rockposen selbst einfach unverschämt cool. Dazu muss man sich nur den Text
ihrer allerersten Single „Generation Rock" ins Gedächtnis rufen: „Dreh den Volume Regler auf bis zum Anschlag / Heute ist
Revolverheld im Haus, das ist Dein Glückstag“. Auf Album drei klingt das so: „Ich sag: "Yes we can!", so wie
Barack Obama / Ich hab das erfunden, bin
sein engster Berater /Ich kann unsichtbar sein, kann die Erde umrunden / und
ich brauche dafür nicht mal 30 Sekunden.“
„Mein Leben ist super“ beginnt stark und hätte sicher das
Potential für einen großen Song. Doch der lustlose Refrain mit der dauernden
Wiederholung von „Mein Leben ist Super…“ und den quälenden immer gleichen
Gitarrenmelodien animiert schnell zum Skip-Knopf.
„Darf ich bitten“ startet mit einem untypischen Elektrobeat,
der Revolverheld erstaunlich gut zur Seite steht und steigert sich dann zum
ultimativen Dancefloorrocker. Live wird dies wohl der neue Showhöhepunkt
werden.
Der neunte Song „Alles wird gut“ kann mit toller Melodie und
Refrain einen Überraschungserfolg verbuchen, während in „Die Liebe liebt mich
nicht“ die obligatorische, ein wenig zu schnulzige Ballade steckt.
Der Song „Um unser Leben“ wurde sicher direkt für die Disco
geschrieben und ist von allen Liedern mit den größten Deichkind-Anteilen
ausgestattet. Das Problem ist nur, dass Revolverheld in fast allen Indieclubs
von den DJs geschnitten werden, weil sie mit ihren belanglosen Songs einfach zu
langweilig sind.
Bei aller Kritik: Trotz (oder vielleicht gerade wegen) der
einfach strukturierten Songs erwischt man sich schon nach zwei Albumdurchläufen
mit dem Refrain von „Spinner„ oder „Ich werde nie erwachsen“ im Kopf. Die
perfekt produzierten Songs setzen sich im Kopf fest und gehen so schnell nicht
wieder weg. Das Album stieg dementsprechend auch gleich auf Platz 6 der
Albumcharts ein. Was für ein Fazit kann man nun ziehen? Textlich haben
Revolverheld weiterhin viel Luft nach oben. Trotzdem legen die fünf mit „In Farbe“ ihr bisher bestes, weil ausgeglichenstes Album vor. Hier bandelt der
Pop-Rock-Song mit Elektrospielereien an und zeugt den Partysound. Vielleicht finden sie ja in Zukunft ein wenig
mehr Zeit fürs Texten… Interessante Links:Große Geburtstagsverlosung - freie Auswahl Revolverheld mit "Spinner"Revolverheld kehren mit Tour zurück Sicher dir jetzt dein Ticket! Revolverheld im Interview Foto: © SonyMusic |
