Sie sind die Band mit dem komischen Namen, mit einem seltsamen Hühnchen auf den Konzerten und einem Geschwisterpaar... aber eigentlich sind Marco, Vanessa und Flo drei ganz normale Teenies, die dabei sind ihren Traum wahr werden zu lassen und für ihre Musik sterben würden. Ich hab den drei einmal auf den Zahn gefühlt...
DSC: In welchem Jahr entstand „Noch ne Band“? Vanessa: Seit 2002 gibt es uns mittlerweile. Ich hab damals ein Instrument angefasst und mich sofort verliebt. Marco: Eigentlich hatten wir uns dazu entschlossen niemals Musik zu machen, da wir aus einer Musikerfamilie stammen, sind aber doch irgendwie voll reingerutscht. Hatten dann nach 2 Wochen Banddasein unseren ersten Auftritt und wollten dann weitermachen und dabei ist es geblieben. DSC: Wie kam es denn zu eurem doch etwas außergewöhnlichen Namen „Noch ne Band“? Marco: Das kam über die Festivals, weil wir immer gefragt haben, ob sie noch ne Band gebrauchen könnten. Vanessa: Es war dann die Idee meines Vaters, dass wir uns tatsächlich so nennen, da er meinte er bliebe im Kopf. Marco: Entweder man findet es total bekloppt… Vanessa: …. Oder total genial. Viele Veranstalter machen sich daraus einen Spaß und schreiben uns dann ganz unten aufs Plakat, dass sich alle wundern wie denn jetzt die letzte Band heißt. Marco: Die fragen dann immer alle: „Wie heißt ihr denn?“ DSC: Ihr habt im Sommer euren Gitarristen ausgewechselt. Flo, wie kam es, dass du der neue Gitarrist wurdest? Flo: Meine alte Band „Out of Misery“ hat sich aufgelöst und ich war auf der Suche nach einer neuen band. Und daher hat mir ein Kumpel über ICQ erzählt, dass die zwei noch einen Gitarristen suchen. Ihren Bandnamen fand ich von Anfang an scheiße und nur deswegen hab ich mich auch gemeldet. Dann hat man sich getroffen und es hat sozusagen gefunkt. Jetzt ist das Ziel von Musik zu leben erstmals wirklich greifbar. Ich wollte immer schon deutsche Musik machen und ja, beworben und dann eben gleich genommen worden. *lacht* DSC: Was möchtet ihr denn mit und durch eure Musik erreichen? Flo: Wir wollen die Leute glücklich machen, Emotionen übertragen, Geld damit verdienen. Vanessa: Geld zu verdienen ist wichtig, Musik wollen wir immer machen, aber wenn man gezwungen ist nebenbei arbeiten zu gehen, hat man keine Zeit mehr für die Musik und dafür möchte ich einfach die Zeit haben. Weißt du, wenn man von der Bühne geht und es sagt nur einer, dass die Show gut war, ist der Abend gerettet. Marco: Wenn man sieht wie die Leute grinsen, sich freuen und es auch genießen, dass wir so publikumsnah sind, gerade durch die beiden Frontleute, und nach den Shows auch mal zu uns kommen, das ist einfach nur das was ich will. Vanessa: Wir versuchen eine enge Beziehung zwischen der Band und dem Publikum zu schaffen, denn wir sind von unserem Publikum abhängig und das muss man wissen und schätzen lernen. DSC: Vanessa und Marco, ihr beiden seid ja Geschwister, gibt es da nicht manchmal richtig Zoff zwischen euch, weil ihr euch ständig seht und miteinander arbeitet? Vanessa: Auf der Bühne sehe ich Marco nicht als meinen Bruder an, das klingt jetzt hart, aber auch der Bühne sind wir eine Band, eine Einheit und da spielt es keine Rolle, ob wir verwandt sind oder nicht. Flo: Man merkt bei den beiden auch nicht, dass sie Geschwister sind, sie haben eher ein freundschaftliches Verhältnis. Vanessa: Wir haben viel zusammen durchgemacht und Flo hat Potential, er ist irgendwie das gleiche Kaliber wie wir, aber hat dennoch einen etwas anderen Charakter, daher klappt das alles auch so gut. Flo: Wir haben eine extrem enge Freundschaft, daher können auch miteinander Späße machen. Ich bin ja schon fast das dritte Kind und sag auch schon Mama zu ihrer Mama. *grinst* Vanessa: Wir sind auch außerhalb gut miteinander befreundet, übernachten beieinander, feiern miteinander, das ist bei uns nicht nur musikbezogen. Marco: Wir sind eben einfach gut befreundet und wir bevorzugen niemand, auch wenn Vanessa und ich Geschwister sind. DSC: Würde ihr gerne mal für 24h in die Haut des anderen schlüpfen? Flo: Ja, in die unserer Ziege. Wir haben nämlich eine Bandziege und die wäre ich mal gerne. Vanessa: Ich würde gerne mal der Schlagzeuger sein, ich will nämlich wissen wie es von hinten ist (die anderen beiden fallen daraufhin vor lachen fast vom Stuhl) Marco: Ich wäre echt mal gerne der Gitarrist und wir haben schon mal im Spaß überlegt, ob wir nicht mal ganz kurz die Plätze tauschen sollen. DSC: Was macht ihr schulisch bzw. beruflich? Flo: Ich bin gerade dabei mein Abi zu machen, will es zumindest schaffen. Es läuft mehr schlecht als recht, weil mir das Abi eigentlich egal ist, ich brauch schließlich keinen guten Schnitt, um Musiker zu werden. Marco: Ich bin jetzt in der 12ten Klasse, die Schule ist mir eigentlich auch egal, die Hauptsache ist, ich hab bestanden. Ich spiele 8 Stunden am Tag Schlagzeug, ich weiß aber dennoch, dass die Schule wichtig ist. Mit dem Abi bin ich später doch noch abgesichert, falls es mit der Musik nicht klappen sollte. Vanessa: Ich kellnere, jetzt habe ich unheimlich viel Zeit für Musik, die ich nie hatte, weil ich immer viel Zeit in die Schule investiert habe. Aber es macht mich glücklich jetzt endlich diese Zeit zu haben. Ohne Musik wäre meine Welt zusammengebrochen, ich möchte nicht studieren oder eine Ausbildung machen. Ich übernehme jetzt die Parts für die die anderen beiden derzeit wegen der Schule keine Zeit haben. Ich hab auch nicht vor mich jetzt irgendwo anzumelden, ich glaube an mich, an uns und setze meine ganze Hoffnung in die Band für die wir hart arbeiten. Flo: Das war mit ein Grund warum ich mich für diese Band entschieden hab, denn sie haben von Anfang an gesagt, dass sie die Musik zu ihrem Beruf machen wollen und ich denke hier bekomme ich die Chance tatsächlich mit Musik Geld zu verdienen und es passt zwischen uns einfach alles. Marco: Es ist einfach ein riesen Traum, den wir uns verwirklichen wollen. DSC: Habt ihr bei soviel Engagement für die Musik noch Zeit für ein Privatleben? Vanessa: Man nimmt sich dann einfach die Zeit, aber je nachdem nimmt man sie sich dann doch etwas ungerner und würde sie doch eher in die Musik investieren. Flo: Als ich würde sagen die Musik ist mein Privatleben, die Schule nicht. Marco: Da kann ich mich anschließen, seh ich genauso. Vanessa: Jeder von uns hat noch ein Privatleben, aber man braucht ziemlich tolerante Menschen, die verstehen, dass die Musik für einen selbst wichtig ist. Natürlich hängt das Herz an bestimmten Personen ziemlich stark, aber es hängt eben auch an der Musik und für die Musik würde ich sogar sterben. DSC: Über was regt ihr euch denn besonders häufig aus, weil es euch auf die Nerven geht? Vanessa: Die beiden müssen immer essen! Die haben echt immer Hunger. Eine Probe ohne ihre Fresssucht wäre schon geil. (Marco spielt mit dem Salzstreuer) Achja, oder mal Marco ohne Spielsucht, der muss ständig an was rumfummeln! Flo: Ich steh nicht so auf die Leute, die auf Konzerte gehen und da dann stehen wie ein Kühlschrank und einfach nichts machen! Vanessa: Oder Menschen, die irgendwas behaupten, Hauptsache etwas gesagt, auch wenn man keine Ahnung davon hat, und ein neues tolles Gerücht in die Welt gesetzt. Marco: Neben ignoranten Menschen, machen mich auch ungestimmte Schlagzeuge wahnsinnig. Vanessa: Uns auch, weil er doch tatsächlich manchmal sein Schlagzeug 3 Stunden (!) lang stimmt. Marco: Wir haben derzeit eine Wette laufen. Wenn wir nächstes Jahr nicht ein einziges Mal einen Nightliner bekommen, dann muss jeder drei Wochen auf das verzichten, was ihm am meisten bedeutet und das würde für mich heißen drei Wochen lang kein Schlagzeugstimmen. DSC: Wie kam es denn dazu, dass ihr im Bandpool der Popakademie gelandet seid? Vanessa: Wir haben uns da gar nicht beworben, sondern wurden beworben. Sylvia Kagel: Herr Paul Woog hat die drei bei dem Wettbewerb „Play Live“ gesehen und mich darauf dann angesprochen wegen der Popakademie, allerdings war ich davon nicht so begeistert. Und dann auf der Popkomm hat mich Frau Höhn wieder auf die Band angesprochen und ihr habe ich dann ein Demo in die Hand gedrückt. Das wurde dann als Bewerbung eingereicht und dann ging es von Runde zu Runde weiter. Vanessa: Wir sind ja jetzt im Bandpool eine der jüngsten Bands, sozusagen die Küken, weil die meisten Bandmitglieder etwas älter sind als wir. Marco: Die Zusage kam sogar dann an meinem Geburtstag. Vanessa: Es war wirklich eine krasse Jury, alle hatten total viel Ahnung und sie waren von uns begeistert und hatten nur wenige Kritikpunkte an uns. Sie erhoffen sich ja auch etwas von Bands, die sie in den Bandpool mit aufnehmen, und das ist schon echt richtig cool, dass wir dann Ende Februar den Anruf bekamen und seither dabei sind. DSC: Hat sich dadurch nun etwas für euch verändert? Vanessa: Wir bekommen jetzt einen Eindruck wie es hinter den Kulissen zugeht, lernen die ganzen Player kennen, was man so alles braucht… Management, Booking… Wir lernen, dass eine Band richtig gut sein kann, aber ohne ein gutes Team hat man einfach keine Chancen. Durch die Backroundinfos können wir uns ein bisschen absichern, haben mehr Ahnung und können uns mehr Wissen aneignen und es ist ja wichtig auch solche Dinge zu wissen. Die Band macht zwar die Musik und konzentriert sich in erster Linie auf die Musik und der Manager macht das Businesszeug und das ist ja auch unglaublich viel Arbeit und da find ich es teilweise schon krass, dass in manchen Bands der Sänger gleichzeitig die Band noch managed, aber auf jeden Fall sollte man sich aufeinander verlassen können und es ist nicht schlecht, wenn man ein bisschen was über die Arbeit des anderen weiß. DSC: Plant ihr in absehbarer Zeit eine CD-Release? Marco: Ja, ein Album. Es soll im Januar oder Februar damit losgehen, aber vielleicht auch schon früher. Vanessa: Wir brauchen erst noch das nötige Kleingeld dafür, ohne Geld geht das ja schlecht. DSC: Gibt es denn schon eine konkrete Idee für eine Single? Marco: „Lisa“ Vanessa: Oder „Ich war nicht da“, das sind die ansprechensten Songs, die das Publikum meistens am stärksten berühren. Die Popakademie meinte sogar, dass „Lisa“ die Perle unserer Songs wäre. DSC: Wie lange dauert es denn so durchschnittlich bis ein Song bei euch entsteht? Flo: Naja, so von 2 Minuten bis 3 Jahre ist alles drin. Vanessa: Das ist echt unterschiedlich. Flo: Es kann eine Songgrundidee aus einer Faschingsidee entstehen und nachher kommt dabei ganz andere Musik raus. Vanessa: Wir brauchen meistens eine Probe, um die Base eines Songs zu haben. DSC: Woher nehmt ihr denn dann eure Inspirationen? Marco: Eigentlich so gut wie von überall her! Flo: Dusche, Träume etc… Vanessa: Wenn ich durch die Stadt laufe, allgemein durch mein Leben bekomme ich Einflüsse, sogar auf dem Klo kann ich Einfälle haben oder auch bei anderen Bands, die mich dann auf neue Akkorde und Melodien bringen. DSC: Was hört ihr denn privat für Musik? Marco: Ich höre viel Alternative und vor allem viele unbekannten Sachen, so was wie „The Used“ oder „Taking back Sunday“ Vanessa: Wallis Bird, Alanis Morissette, Die Ärzte, Silbermond… Stefanie von Silbermond strahlt einfach wahnsinnig viel aus… Flo: Ich höre auch die Ärzte. DSC: Warum sollten die Leute eure Konzerte besuchen anstatt die der Konkurrenz? Vanessa: Wir machen alle Leute fröhlich, haben einen gut aussehenden Schlagzeuger… Marco: Dankeschön, aber wir haben und ein tolles Motto geklaut: „Noch ne Band macht Kinder froh und Erwachsene ebenso!“ DSC: Was war bisher euer geilster Auftritt? Flo: Also für mich der heute, der einfach nur richtig geil! Vanessa: Der Auftritt mit Nena, nicht wegen den Leuten, sondern wegen dem ganzen Feeling. Das war geil! DSC: Wie kamt ihr auf die Idee mit dem Pogohühnchen? Flo: Das Hühnchen hatte ich schon in meiner letzten Band bei der wir eher Progressivrock gemacht haben, aber das kam da nicht so gut an. Und jetzt hat das Hühnchen unseren letzten Gig mit „Noch ne Band“ angeschaut und ihm hat es gefallen und daher hatten wir heute Premiere mit unserem Hühnchen. Marco: Man hat ja gesehen, es ist ein echt guter Bandenbrecher. Flo: Jetzt können die Leute sagen, das ist die Band mit dem doofen Namen und einem doofen Hühnchen. *grinst* DSC: Mit was soll man euren Bandnamen noch in 10 Jahren verbinden? Marco: Spaß! Vanessa: Mit einer Liveband, deren Konzerte man mag und zwar nicht nur wegen dem Äußeren, sondern weil die Musik gut ist und die Band auch die Nähe zu ihrem Publikum hat. DSC: Und was sagt ihr zu euren Fans? Vanessa: Wir sind richtig stolz auf unsere Fans, sie unterstützen uns und kämpfen richtig für uns, das ist einfach nur Wahnsinn. Flo: Auch wenn wenig Leute klatschen, stellen sich unsere Fans ganz nach vorne an die Bühne, sie besuchen unsere Gigs und haben einfach Spaß und was ich besonders toll finde, sie geben uns auch Kritik, davor haben sie keine Angst und genau das macht sie zu absoluten Fans.
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Foto: © Adriane Haußmann |