Pascal Finkenauer: "Das ist schon fast surreal" |
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| Geschrieben von: Adriane Haussmann |
| Montag, 02. Februar 2009 15:40 |
Seine Texte berichten vom Leben - ungeschont und oft zum Nachdenken anregend. Pascal Finkenauer textet von dem, was ihm im Leben begegnet, ihn bewegt und ihm in Erinnerungen bleibt. In zwei Wochen wird er mit seinem neusten Stück "unter grund" beim BuViSoCo antreten - doch dort zu gewinnen, hält er für utopisch. Wir haben den Mann, der sich gerne am Rande bewegt, für euch interviewt.....
DSC: Wie kam es denn zu dem Titel deines jetzt erscheinenden Albums „unter grund“? Die Produktion der Platte passierte komplett alleine, zu Hause, meistens nachts. Ich habe mich eigentlich unbeabsichtigt mit Dingen beschäftigt, die mit „Untergrund“ zu tun hatten, ob in Büchern, Filmen, etc...Am Ende stand die Idee von: „zu Boden gehen“, dann „sich eingraben“ und darauf „sich neu finden“. Es ist eine Art Ausdruck von Unmut in letzter sozialer Konsequenz.
DSC: Welcher Song deines neuen Albums liegt dir persönlich am meisten am Herzen und warum? Eigentlich liegen mir alle gleich viel am Herzen. An manchen Tagen passt ein bestimmtes Stück einfach besser zu meiner Stimmung.
DSC: Welche Geschichten stecken denn hinter den einzelnen Tracks, möchtest du uns nicht vielleicht eine für dich besonders spannende oder lustige erzählen? Oft ist es so, dass ich mich in Situationen hineinversetze, mir regelrecht kleine Kurzfilme im Kopf zusammenbaue. „Ich blicke an dir vorbei“ zum Beispiel. Ich selbst war zu der Zeit der Produktion nicht in einer Trennungssituation. Aber in dem Moment, den das Stück beschreibt, liegt auch der Schlüssel zu einer allgemeinen Grundhaltung. Das „an-jemandem-vorbei-blicken“ ist ja so eine Art persönliche Revolution. Missachtung eines anderen, weg von der Oberfläche. Die Erfahrung, die dieser Mensch gemacht hat, führt zu einer angespannten Auseinandersetzung mit sich selbst und dem Umfeld und führt zu bestimmten Handlungen. Er überlegt sich, wie er zurückschlagen kann, wie er ohne tatsächlich Gesetze zu brechen Gesetze brechen kann. Und da bleiben ihm eben die ungeschriebenen Regeln unseres täglichen Umgangs…
DSC: Du hast deine beiden ersten Alben jeweils bei einem anderen Label veröffentlicht, nun hast du dein eigenes gegründet, wieso hast du dich für diesen Schritt entschieden? Um mir die Freiheit zu wahren, und um mir diesen kleinen Traum zu erfüllen. Ich habe keine Ahnung wohin das führt... Ich musste das einfach mal probieren.
DSC: Du wirst jetzt beim Bundesvision Song Contest 2009 antreten. Wie kam es zu deiner Teilnahme? Wie bereitest du dich darauf vor? Und mit welchen Erwartungen gehst du in den Wettbewerb? Über den üblichen Bewerbungsprozess ist meine Musik dort angehört worden und sie konnten sich das vorstellen. Für mich ist es als kleines Label vor allem eine Möglichkeit meine Musik vorzustellen und ein breiteres Publikum zu erreichen. Erwartungen habe ich keine. Also, gewinnen wäre natürlich toll, aber das halte ich für ziemlich unmöglich.
DSC: Aus einem Feature ist mittlerweile eine häufigere Zusammenarbeit mit Fettes Brot geworden. Seid ihr nur musikalisch oder auch privat auf einer Wellenlänge? Ich begleite sie jetzt schon knapp vier Jahre in dieser Livekonstellation und wir sehen uns auch immer wieder mal neben der Bühne und verbringen Zeit miteinander. Außerdem helfen die Brote und ihr Umfeld wirklich wann immer sie können; z.B. hat DJ exel. Pauly in ihren Studioräumen den Gesang der Platte mit mir aufgenommen. Ich habe ihnen da eine ganze Menge zu verdanken.
DSC: Warum ist es dein persönlicher Wunsch gewesen Musiker zu werden und sich im Musikbusiness durchzusetzen? Ich konnte nicht anders. Dabei finde ich meine Zufriedenheit. Natürlich auch Unsicherheit, es gibt gute und schlechte Zeiten. Aber alles in allem ist es das, was ich machen will. Was das Durchsetzen angeht, diese Verbissenheit des Wettbewerbs, die musste nie sein. Da ist eher eine Besessenheit, die dazu führt, dass ich immer weitermache.
DSC: Was war bisher deine schönste Erfahrung im Musikgeschäft? Menschen, die auf mich zukommen und wirklich und ehrlich sagen, dass ihnen meine Musik etwas bedeutet. Ich meine, dass ist schon fast surreal…
DSC: Was war bisher das Peinlichste, was dir auf der Bühne passiert ist? Es passieren immer wieder Dinge, die man sich anders vorgestellt hat. Man vergisst Textzeilen, oder Akkorde, irgendetwas geht kaputt...Auf der Tour mit den Broten habe ich mal ein von mir gespieltes Pianointro zu „An Tagen wie diesen“ vermasselt, weil ich einfach alle Akkorde vergessen hatte. Ich spielte weiter drauf los und es klang fürchterlich schief und krumm. Die Jungs dachten ich sei verrückt geworden. Aber so richtig peinlich ist das nie, die Bühne ist ja so eine Art freie Zone. Meistens lacht man später darüber, dass einem etwas passiert.
DSC: Wer hat dich musikalisch am meisten geprägt? Mich interessieren Künstler, die ihren Weg gehen, sich nicht ablenken lassen, ihr Ding durchziehen. Aus allen Bereichen. Ich höre sehr viel Musik, sehe mir viele Filme an und bin stilistisch nicht festgelegt. Ich bediene mich ja selbst unterschiedlichster Stilmittel, wenn es denn hilft den Text zu verstärken.
Meine erste Band war eine Post-Hardcore-Punk Gruppe, die in der härteren Gangart genauso wenig einzuordnen war, wie ich es nun in meinem Musikbereich bin und der wäre wohl am ehesten noch im Pop anzusiedeln. Ich gehe textlich und musikalisch gerne am Rand. Das führt dazu, dass ich schwierig in eine Schublade zu stecken bin. Den Willen zum Ausprobieren, den habe ich mir über alle Projekte, an denen ich beteiligt war, erhalten und möchte das auch weiterhin tun.
DSC: Was inspiriert dich zu deinen Songs? Es kann reichen einmal auf die Straße zu gehen und man kommt angefixt von einem Erlebnis zurück. Vielleicht hat man auch einfach eine Erinnerung, oft auch nur einen Akkordwechsel, auf den sich alles aufbaut. DSC: Würdest du dich selbst als ehrgeizig beschreiben? Ich habe eine Menge Spaß an dem was ich tue. Das reicht schon als Antrieb.
DSC: Wie würdest du dich selbst in drei Worten beschreiben? Das kann ich nicht. Das wäre wohl nur eine zum Himmel stinkende Fehleinschätzung... Da muss man Leute fragen, die mich besser kennen, als ich mich selbst.
DSC: Wie lautet dein Lebensmotto? Ein Lebensmotto habe ich nicht wirklich...
DSC: Was sind deine Lieblingssongs zurzeit? Re:Stacks – Bon Iver Falling Down – Scarlett Johansson Notion - Kings of Leon Lay it down – Al Green Ghost Rider - Suicide
DSC: Wenn du eine Zeitreise machen könntest, in welches Jahr würdest du gerne reisen? Da würde ich im erstmal 20. Jahrhundert bleiben. In das Berlin der Zwanziger Jahre hätte ich gerne mal einen Blick geworfen - aber nur in die kreative Szene. Außerdem wäre ich gern mal im Paris der Fünfziger gewesen. Die Sechziger würde ich in London verbringen.
DSC: Was würdest du vermutlich tun, wenn du 24h in einem anderen Körper stecken würdest und vor allem in wessen Körper würdest du dann schlüpfen? Das weiß ich nicht, da gäbe es so viel Interessantes.
DSC: Ein Tag als Politiker – welches Gesetz würdest du erlassen? Ich befürchte ein Gesetz würde nicht ausreichen…
DSC: Was sind deine Ziele für 2009? Weitermachen, neue Musik schreiben - und auch ein bisschen abwarten. Am Ende passieren immer noch so viele Dinge, von denen man jetzt noch gar nichts weiß. Interessante Links:Ich blicke an dir aalglatt vorbei Pascal Finkenauer - ein Mann mit Geschichte Bundesvision Song Contest 2009
Fotos: © Sven Sindt |
