| Ein Interview mit Luxuslärm (mit Videoteaser) |
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| Geschrieben von: Rebecca Puhlmann |
| Sonntag, 12. April 2009 12:42 |
Während sich der Club mit Menschen füllte und man gespannt auf den
Konzertbeginn wartete, nahm sich die Sängerin Jini von Luxuslärm Zeit für uns,
um ein paar Fragen zu beantworten. DSC: Wie würdest du eure Band in wenigen Sätzen
beschreiben? Wir sind eine Band, die unwahrscheinlich gerne live spielt und denen man
das zum Glück auch sehr ansieht. Die aus fünf Bandmitgliedern besteht und die
aus dem Raum Iserlohn im Sauerland in Nordrhein-Westfalen kommen. DSC: Wie kamt ihr auf den Bandnamen „Luxuslärm“? Das war eine ganz süße Idee. Unser Trommler Jan war nach der Schule immer
bei seiner Oma und sie hat sich darüber beschwert, dass er doch so ein
lautes Instrument spielt, nämlich Schlagzeug und nicht Akkordeon oder irgendwas
anderes. Sie sagt immer: „Was ihr immer für ein Lärm macht“, worauf Jan meinte:
„Aber schönen Lärm“. Und irgendwie sind wir dabei hängengeblieben – „schöner
Lärm“. Zuerst hatten wir die Idee „Luxuskrach“ und dann kamen wir auf
„Luxuslärm“, kurz „LL“, dass kann man sich auch gut merken. Und im Endeffekt
haben wir uns dafür entschieden und seit drei Jahren heißen wir nun schon
Luxuslärm. DSC: Der Name hat auch was. Man kann ihn sich auf jeden Fall leichter merken als andere. Als wir noch
eine Coverband waren, hießen wir „Blue Cinnamon“ und das kann sich kein Schwein
merken. Und das haben wir auch gemerkt, wenn wir einen Banner mit dem Namen und
der Internetadresse zu hängen hatten, haben die Leute uns geschrieben und wenn
nicht, dann war immer die Frage: „Wie hießen die nochmal?“, „Blue Connection?“
– es wurden dann wirklich alle möglichen Wörter zusammengeschmissen. DSC: Wie habt ihr fünf euch kennengelernt? Wie lange
macht ihr schon zusammen Musik? Das ist jetzt über sechs her, damals gab es eine Coverband, allerdings noch
ohne mich, den Bassisten Eugen und den Keyboarder Dave. Dort gab es dann auch
einen Frontsänger, aber irgendwie haben sie sich auseinandergelebt. Und durch
andere Coverbands, in denen wir vorher gespielt haben, haben wir uns
kennengelernt. Unser Gitarrist Hendrik ist durch eine Anzeige in einer
Musikerzeitschrift dazu gekommen. Und seitdem machen wir zusammen Musik und
haben angefangen zu covern, u. a. Melissa Etheridge, Red Hot Chilli Pepper,
Rage against the Machine, eben alles querbeet, damit wir ein großes Publikum
erreichen konnten. Dann kam irgendwann der Zeitpunkt, wo wir gesagt haben,
jetzt ist Schluss mit covern, es müssen eigene Songs her. Weil wir uns gerne
selbstverwirklichen wollten. Denn wenn du die ganze Zeit nur Lieder
nachspielst, ist das zwar okay, man hat ein partywilliges Publikum vor sich
stehen, die eh alle getrunken haben, aber jemandem wirklich mit seiner eigenen
Musik überzeugen, das war immer so ein Traum von uns. Und so haben wir vor drei
Jahren angefangen eigene Songs zu schreiben. DSC: Wer ist der kreativste Kopf bei euch? Also eigentlich gibt es viele kreative Köpfe bei uns. Die Musik schreibt
zum Beispiel unser Gitarrist zusammen mit unserem Produzenten Götz von Sydow
und ich schreibe die Texte mit ihnen zusammen, so dass wir drei ein
Songwriter-Team gebildet haben. Wir haben uns auch vorher überlegt, ob wir das
alles zusammen machen sollten. Aber man kennt das ja, wenn dann so viele
Personen Einflüsse haben, da möchte jede denn etwas anders haben – viele Köche
verderben den Brei. Deswegen schreiben wir drei und stellen es den anderen dann
im Proberaum vor und wenn es ihnen gefällt, überlegen wir weiter wie wir es
live spielen können, damit es auf der Bühne rockt. DSC: Gibt es bestimmte Orte um auf Ideen für neue
Songs zu kommen? Also vor allem im meinem Kopf. In den Songs geht es um Themen, die mich in
meinem Leben beschäftigt und berührt haben. Und die Songs selbst schreiben wir
dann im Studio oder bei mir zuhause, weil ich mich dort am wohlsten fühle. DSC: Was war bisher euer größter Gig? Der größte vor Publikum war damals noch mit der Coverband in Dortmund vor
50.000 Leuten. Anfangs waren es 1.000, dann 10.000 und irgendwann hast du nur
noch ein Meer voller Menschen gesehen. Und der wichtigste für uns war der erste
Auftritt mit Luxuslärm, weil wir dann sehen konnten, ob unsere Musik ankommt
oder ob wir mit Tomaten beschmissen werden. Das war bei einem
Newcomer-Festival, bei dem wir direkt den ersten Platz als „beste Rock &
Pop – Newcomer-Band NRWs“ belegten. Und das hätten wir nicht gedacht,
dass man mit dem ersten Auftritt doch schon so weit ist, aber da war uns
wiederum die Erfahrung mit der Coverband hilfreich. Daher bin ich darauf
ziemlich stolz. Ansonsten sind Gigs für mich immer total genial, zum Beispiel
die Tour mit Thomas Godoj zusammen oder einmal als wir mit Laith Al-Deen
und Revolverheld zusammengespielt haben. Sonst standen wir immer vor deren
Bühnen und dann durfte man selber in den größeren Hallen mitspielen und das war
natürlich Gänsehautfeeling pur. DSC: Eure peinlichste Panne auf der Bühne war? Zwischenruf Jan: Sie ist mal ins Schlagzeug gefallen. Zum Glück noch nichts Großes. Das einzige war auf der Tour von Thomas
Godoj. Ich brauche immer ziemlich viel Platz, wenn ich auf der Bühne bin, und
ich habe das unterschätzt und bin dann nach hinten gesprungen und nochmal und
dachte, es ist ja noch nicht so weit vom Bühnenrand entfernt und bin dann
nochmal gesprungen und ins Schlagzeug gefallen. Aber es war nichts passiert und
wir konnten gleich weiterspielen. DSC: Mit wem würdet ihr gerne mal zusammenspielen? Da gibt es natürlich viele, aber das ist nicht realistisch, zum Beispiel
mal mit Pink oder mit den Red Hot Chili Peppers. Aber das sind eben alles
Hirngespinste und daran glaube ich auch nicht, aber das wäre schon ein Traum. DSC: Was denkt ihr, ist eure Stärke als Band? Warum
kommen Besucher zu euren Gigs? Ich würde sagen, weil wir total authentisch sind. Wir legen keine Show hin,
die gespielt ist und ich bin auch kein Püppchen, die Texte singt, die sie
vorgelegt bekommt, sondern ich versuche, das Publikum immer mit einzubeziehen,
so dass sie merken, das selbst einer, der hinten steht, das Gefühl bekommt, das
er mir total viel bedeutet und das er einfach nach vorne kommen soll und
mitsingt. Und solche Authentizität ist für die Zuschauer wichtig, denn sie
merken gleich, ob man jemand ist, der das lebt oder einfach nur lebt, um groß
zu werden. DSC: Wie würdet ihr eure Musik beschreiben? Es ist kräftiger deutscher Rock mit Singer/Songwriter-Strukturen, d.h. es
ist manchmal überraschend, was für ein nächster Teil kommt, den man so
vielleicht gar nicht erwartet hätte. Live gibt es ziemlich harte Gitarren. Und
auf dem Album ist es eher poppig. Und das ist auch eine Stärke von uns, dass
wir wandelbar sind. Wir haben sowohl einen Reggae-Song als auch richtig harten,
der fast so ein bisschen, und das muss vorsichtig sagen, in den Metal-Bereich
reingeht und genau so eine gefühlvolle Ballade wie unsere zweite Single
„Unsterblich“. Und daher finde ich es schön, wenn man uns nicht gleich in eine
Schublade steckt und sich uns erst einmal live hört und schaut, was kann die
Band eigentlich. Denn für mich ist es immer wichtig, was eine Band live spielt
und kann - eine CD kann man irgendwie immer hinbekommen und produzieren. Denn
was ein Band kann, ist live zu spielen und das ist unsere Stärke. DSC: Was sind die nächsten Ziele, die ihr als Band
erreichen möchtet? Ich möchte gerne am zweiten Album weiterarbeiten, an dem wir auch schon
fleißig arbeiten. Ich hoffe, dass es wir Ende des Jahres/Anfang nächstes damit
rauskommen können. Das wäre ziemlich perfekt, aber wenn es nicht klappt, dann
ist das auch nicht schlimm. Denn es soll gut werden und kein Abklatsch vom ersten
Album. Wir spielen dieses Jahr ziemlich viel live, über 90 Konzerte. Das ist
auch ein Highlight für dieses Jahr und dann lasse ich mich mal überraschen, was
noch alles passiert. DSC: Was bewegt euch Musik zu machen? Bei mir ist es so, dass ich meine eigenen Erfahrungen, die ich erlebt habe, mit anderen teilen möchte. Dabei ist das schönste Geschenk für mich, wenn die Leute nach dem Konzert, egal welches Alters, zu mir kommen und sagen, dass der Song wie für mich geschrieben ist. Ohne Musik könnte ich nicht leben. Ich wurde schon einmal gefragt, was passiert, wenn ich nicht mehr singen könnte und das wäre für mich das allerschlimmste und das will ich mir auch überhaupt nicht vorstellen.
DSC: Also habt ihr auch keine spezielle Zielgruppe? Nein, aber ich habe zuerst gedacht, es wäre so und vorher auch überlegt,
für welche Zielgruppe machen wir das denn. Machen wir es für Teens, für 20- bis
30-jährige wie wir es sind oder machen wir es für ältere? Und das schöne ist,
dass du siehst, dass es eine bunte Mischung ist, da steht beispielsweise eine
Mutter mit ihrer Tochter und genauso eine 20-jährige mit ihrem 28-jährigen
Freund. Ich glaube, der älteste Zuschauer war über 60 und die jüngste war zwei
oder drei Jahre alt. DSC: Woher nimmst du deine Motivation, wenn mal etwas
nicht so gut läuft? Dann nehme ich die aus dem Publikum. Das war zum Beispiel bei der Thomas
Godoj Tour so, da hatte ich eine Bronchitis gehabt und danach eine
Mandelentzündung, also völlig fertig. Und habe mir aber gedacht, ich möchte das
jetzt machen und den Leuten zeigen, dass es eine Band gibt, die auch live
richtig gut sein kann. Das kam so gut trotz Bronchitis an, dass es einem dann
wieder Adrenalin gibt. DSC: Angenommen ihr hättet die Möglichkeit noch einmal
in die Vergangenheit zu reisen, würdet ihr etwas ändern? Nein, eigentlich nicht. Es ist alles so gelaufen wie wir uns das erträumt
haben. Wir haben uns extra gegen eine Plattenfirma entschieden und alles selbst
aufgebaut, d.h. auch selbst finanziert und alles selbst gemanagt. Und früher
auch selbst gebookt und das hat auch alles super geklappt, aber irgendwann ist
man an eine Grenze gestoßen – du schaffst es nicht deine CD in den Münchener
Saturn zu kriegen. Aber wir haben dann einen Vertrieb mit jungen dynamischen
Leuten gefunden, die auch wirklich an das Projekt glauben. Und wir arbeiten
auch mit der Bookingagentur Extratours (u.a. von Revolverheld) zusammen, die
uns jetzt auf die großen Festivals pusht, wo wir alleine gar keine Chance
gehabt hätten. Also eigentlich ist alles gesund gewachsen und nicht wie bei
einer Castingband, die einem No1-Hit haben und dann weg sind, wir erspielen uns
die Fans. DSC: Welche Schlagzeile würdet ihr gerne einmal über
euch lesen? „Luxuslärm hat gerockt bei Rock am Ring“
DSC: Welche Frage
möchtet ihr gerne einmal beantworten und wie lautet die Antwort? (überlegt kurz
und gibt die Frage an die Jungs weiter) Jini: Welche
Unterwäsche wir tragen? Aber die will man auch nicht beantworten. Henrik: Was wir mit dem
Geld machen, was wir doch im Moment verdienen? Jini: Weil wir auch
so viel verdienen. Eugen: Wie ist der
Sex mit Groupies? Jini: Keine Ahnung, noch nicht gehabt. Also eigentlich gibt es da keine bestimmte Frage. Interessante Links: Die Fotos des abends gibt es hier zu sehen Luxuslärm live in Berlin Weitere Livefotos Fotos: © Kathi Rubel |