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Jupiter Jones im Interview

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Geschrieben von: Thomas Schmidt   
Sonntag, 29. November 2009 17:33
Jupiter Jones waren auf Tour und wir waren mit dabei! Keine Frage, dass wir die Jungs auch zum Gespräch baten und nicht einfach so wieder nach Hause ließen....


DSC: Wie ist das so für euch? Seid ihr bei kleinen Gigs überhaupt noch aufgeregt oder seid ihr da noch aufgeregter, weil es so intim ist?

Wir sind ja grundsätzlich ne Band, die immer noch und gerne in vielen kleinen Clubs spielt. Also von daher sind wir das echt gewohnt und das sind meistens tatsächlich auch die schönsten Shows, weil das echt nah an den Leuten dran ist. Wir hatten vor drei Tagen einen Gig komplett ohne Bühne und die sind mir fast am liebsten. Also wenn man mitten in den Leuten drin steht. Also ist das heute hier schon in Ordnung. Denn es ist ja nicht so, dass wir nur die großen Bühnen der Welt gewohnt wären oder so.

 

 

DSC: Trotzdem habt ihr auch schon auf einigen großen Festivals gespielt. Die nächste Frage hast du fast schon beantwortet: Was ist dir denn lieber? Große Massen oder kleine Clubs? Hat doch bestimmt beides seinen Reiz?!

Ja, es hat tatsächlich beides seinen Reiz. Also mir sind Clubshows lieber, denn Festivals sind immer so ne kleine Herausforderung, weil man davon ausgehen kann, dass wenn man jetzt nicht wirklich berühmt ist einen dort viele Leute gar nicht kennen. Von daher ist das immer die Herausforderung die Leute trotzdem zu kriegen und mitzureißen. Aber so klein, muckelig, schön warm im Club ist mir wie gesagt eigentlich am liebsten.



DSC: Ihr seid ja jetzt erst sechs Tage auf Tour, also nicht allzu lange, wie ist denn so das Tourleben? Ist es das worauf man im Studio tatsächlich hinarbeitet?

Das Tourleben ist über die Jahre tatsächlich relativ geordnet geworden. Also wir haben mittlerweile so für alles unsere Leute dabei, alles Freunde, die wir eben dafür bezahlen, dass sie uns die ganzen unangenehmen zusätzlichen Arbeiten abnehmen, von daher ist das mittlerweile ne ziemlich sortierte Sache und echt schön! Früher war das komplett anders. Da war das ne echt chaotische Geschichte. Wir waren nur zu viert, also nur die Band, unterwegs und man musste sich um alles kümmern. Einer musste immer nüchtern bleiben und Abrechnungen machen, man muss den ganzen Kram abbauen. Ich war grundsätzlich nach der zweiten Show schon krank, weil ich den Kram in den Bus geräumt hab irgendwie bei minus 40 Grad oder so, also von daher ist es mittlerweile echt angenehm und schöner geworden.



DSC: Das klingt als hättet ihr dadurch auch relativ viel Zeit, vor allem jeweils vor den Auftritten. Wie vertreibt man sich diese?

Touren besteht eigentlich ganz viel aus warten, aber immer nur dann, wenn man die Zeit für irgendwas braucht, dann ist keine da. Wir warten immer unheimlich lange, dass alles funktioniert und alles verkabelt, eingestöpselt und aufgebaut ist. Aber dass wir mal in den ganzen Städten, wo wir so sind, ein bisschen Sightseeing machen könnten oder mal ne Runde schwimmen gehen oder sowas, das passiert einfach nicht. Also Zeit ist immer dann da, wenn man sie am wenigsten brauch, also wenn man eigentlich loslegen will.
Die meiste Zeit verbringt man auch auf der Autobahn. Also jeden Tag irgendwie rund 400 Kilometer, da geht halt auch ne Menge Zeit drauf.


DSC: Wie verlief denn so die Studiophase? Wie lang hat’s gedauert? Ging alles glatt? Gab’s nen Song bei dem ihr richtig an eure Grenzen gehen musstet?

Das verlief eigentlich sehr entspannt was a) an unserem Produzenten Wolfgang Stach lag. Der hat da sehr gute Arbeit geleistet. Er ist Vater von zwei jungen Söhnen, das merkt man ihm auch an. Er hat so ein bisschen diese väterliche Geduld und ist echt n guter Typ! Und b) waren wir dieses Mal echt vorbereitet. Das war bei den letzten Alben überhaupt nicht so. Diesmal sind wir komplett und gut vorbereitet ins Studio gegangen, weshalb es zum ersten mal so war, dass wir ne richtig gute Zeit hatten und auch ne produktive Zeit. Vorher war es halt immer so, dass wir echt viel ausbessern und rumdoktern mussten. Jetzt sind wir mit fertigen Songs ins Studio und haben dann nur noch die Stellschrauben justiert und der Rest ging fast von selbst. Also es war ne sehr gute Zusammenarbeit mit Wolfgang.



DSC: Bleiben wir mal beim neuen Album. Wie würdest du sagen habt ihr euch in der Zeit zwischen den Alben weiterentwickelt? Ihr seid doch schon etwas härter geworden, oder nicht?! Das erste Stück fängt direkt an mit 
Hallo Angst du Arschloch!  Oder wie würdest du eure Entwicklung sehen?

Es ist schön, dass du sagst, dass wir härter geworden sind. Die meisten kommen und sagen ihr seid irgendwie weicher und poppiger geworden. Es ist mittlerweile alles einfach sortierter. Also unsere Weiterentwicklung ist so passiert, dass wir jetzt tatsächlich unseren Sound gefunden haben. Sowohl was die Instrumente angeht, was immer ein jahrelanger Prozess ist. Man kauft und kauft, probiert und verwirft und experimentiert rum. Naja also wir haben unseren Sound gefunden und auch mittlerweile unsere Arbeitsweise gefunden.
Von daher finde ich auch dass die Platte, auch wenn sie vielleicht im ersten Augenschein oder Ohrenschein ein bisschen poppiger klingt, ist sie einfach sortierter und rockt aber doch ganz ordentlich. Auch auf die Gefahr hinaus, dass das bisschen nach Hippie klingt, aber wir haben echt zu uns selbst gefunden  und wissen jetzt was wir machen wollen.


DSC: Die nächste Frage bezieht sich auf den Namen vom Album. „Holiday in Catatonia“. Also mir ist da als erstes „Holiday in Cambodia“ von den Dead Kennedys eingefallen. Was heißt es denn nun? Ist Catatonia ein Ort oder ist es doch eine Hommage an die Kennedys?

Ja genau, richtig. Es ist einmal ne Hommage an die Dead Kennedys, ganz klar, zweitens mal ist ein katatonischer Zustand, das erklär ich jetzt ganz schnell, alle sollen gut und gerne bei Wikipedia gucken, um es wirklich herauszufinden. Also ein katatonischer Zustand ist eine psychische Erkrankung infolge eines Schocks oder gewissen Lebensumständen, so erstarren katatonische Patienten. Man fällt in eine Starre, kriegt aber alles noch mit, also der Geist ist da und wach. Der Band ging’s halt im Vorfeld lange Zeit so. Nach der letzten Platte war es echt ne harte Zeit, wir hatten viel geschäftsmäßig zu klären, was total unangenehm war, weil wir eigentlich viel lieber Musik machen wollten und nicht irgendwelche Geschäftsscheisse erledigen wollten. Wir hatten viel zu bezahlen, viel aus dem Weg zu räumen und von daher waren wir tatsächlich echt auch in so ner Starre. Wir wollten aber wir konnten eben nicht. Und mit diesem Album ist es passiert dass wir uns so losgestrampelt haben und von daher kommt dann auch dieses Holiday in Catatonia“. Holiday ist da vielleicht ein bisschen netter Begriff, aber wir sind halt jetzt aus diesem Zustand raus und wissen wo wir hin wollen und hingehören, und daher der Name.

 

Interessante Links:
Jupiter Jones mit neuer Platte am Start
Boozed im Interview
Jupiter Jones bringen Koblenz zum Kochen

 

 

Foto: © Thomas Schmidt
 
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