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Wie wärs damit?

Rickie Lee - Talent mit US-Wurzeln und bayrischem Charme im Interview

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Geschrieben von: Adriane Haussmann   
Donnerstag, 17. Juni 2010 15:55
Die ersten Jahre ihres Lebens wuchs Rickie Lee in einer Trendmetropole auf, doch dann verschlug es sie mitten nach München und dort entdeckte sie ihr musikalisches Talent mit dem sie nun Menschen auf sich aufmerksam machen möchte. Ihr Musikstil? Absolut eigen, so eigen, dass wir der Newcomerin einfach ein paar Fragen stellen mussten.
 
DSC: Stell dich doch bitte einmal vor, wer ist Rickie Lee?

Ich bin 1990 in New York geboren und lebe seit 1994 mit der Familie in München. 

 

DSC: Ist Rickie Lee dein echter oder ein Künstlername?

„Rickie Lee“ ist mein echter Name; ich denke, ein Künstlername ist nicht notwendig, zumindest hier in Deutschland. Der Name ist recht selten und fällt deswegen auf.

 

DSC: Wie würdest du jemandem deine Musik beschreiben, der sie noch nie zuvor gehört hat?

Die Musik gibt einerseits Raum zum Entspannen und andererseits den Hinweis auf aufmerksames Zuhören. Die Texte sind recht verschlüsselt, was dazu führt, dass der reine und „simple“ Pop- Flair automatisch verloren geht; musikalisch arbeiten wir so, dass eine Mischung aus Pop und Jazz mit diversen Einflüssen anderer Musikstile entsteht. Die Musik enthält teilweise auch Harmonien, die nicht immer leicht verdaulich sind; es gibt bei uns also einen gewissen Anspruch auf Ästhetik und Eigenwilligkeit.

 

DSC: Wie viel Prozent Rickie Lee steckt in ihr?

80% der Musik sind Ich: die Texte, meine Stimme, die melodischen und harmonischen Raster und die eigene Note; der Rest ergibt sich aus musikalischen Einflüssen, jedweder Inspiration und natürlich der Arbeit innerhalb der Band. Die Songs lassen sich aber schon beinahe als Audio- Tagebuch bezeichnen.

 

DSC: Von wem und was lässt du dich inspirieren? Hast du musikalische Vorbilder?

Ich lasse mich von meiner Umwelt inspirieren. Ich wandle Situationen und Gefühle in für mich persönliche Farben um und anschließend in dazu passende Melodien, die auch leicht unter Einfluss von Künstlern aller Musikrichtungen stehen. Ich sauge jegliche Information auf, die ich dann musikalisch wiedergebe. Viele Koryphäen aus Jazz, Soul und Pop haben mir immer den Anreiz gegeben, das zu schreiben, was sie schreiben. 

 

DSC: Letzte Woche startete deine Internet-Tournee, wie kam es zu dieser Idee?

Da alle Clubs schon verbucht waren und wir in dem Zeitraum der jetzigen Tour unbedingt viel spielen wollten, kam die Idee, online, aber dennoch live aufzutreten. Das Ganze sollte dann trotzdem wie eine richtige „Tour“ aussehen: jeden Tag an einem anderen Ort, also auf verschiedene Webseiten, und vor neuem Publikum. So können wir Musiker jeden Tag selbst mit dem Fahrrad zum Gig; der Zuschauer kann mit dem Laptop auf dem Schoß im Sessel gemütlich sitzen bleiben. 

 

DSC: Wie nervös bist du vor solch einem Internetkonzert? Ist es für dich gefühlstechnisch vergleichbar mit einem echten Konzert?

Nervös bin ich schon. Ich möchte ja eine Leistung bringen. Trotzdem ist das Gefühl, einen Song zu beenden, ohne Applaus zu bekommen, sehr seltsam und fühlt sich ungewohnt an, und verführt einen leicht dazu, die Proberaum- Atmosphäre durchsickern zu lassen. Der Gedanke aber, dass übers Internet theoretisch jeder auf der Welt uns zusehen kann, gibt einem wieder ein kleines Lampenfieber und das Bühnenfeeling.

 

DSC: Du hast eine dreiköpfige Band um dich herum, wie hast du deine Jungs gefunden?

Die fantastischen Bandmitglieder kamen über gute Kontakte und auf Empfehlung von Bekannten meines Vaters. Ich bin jeden Tag sehr stolz, dass wir Leute gefunden haben, die das verwirklichen können, was meinen Vorstellungen entspricht.

 

DSC: Wie kamst du persönlich zur Musik?

Nachdem ich mit 14 die sehr intensiv gewordene Tanzerei aufgegeben hatte, stürzte ich mich auf neue Instrumente und somit auf ein völlig neues Kapitel in meinem Leben, das aber schon immer durch meine Familie sehr musikgeprägt gewesen war. Mit Drummer- Daddy auf Milchpackungen und Müslischüsseln im Babyalter zu trommeln und Head Hunters oder Horace Silver auf der Autofahrt zu hören, war für uns Kinder Standard.

 

DSC: Was war bisher dein schönster musikalischer Moment?

Mein schönster musikalischer Moment ergab sich, als ich eines Nachmittags nach der Schule auf dem Heimweg war und dabei Miles Davis hörte. Bei einem bestimmten Miles- Ton öffnete sich plötzlich mein ganzes Herz und eine Wärme verbreitete sich von der Brust bis in die Fingerspitzen und schien schon fast betäubend. So etwas war mir bisher – bis zum 14. Lebensjahr – noch nicht passiert und war für mich ein deutliches Zeichen, dass Musik tief drin eine ganz zentrale Rolle in meinem Leben spielen soll; was mir bis zu dem Zeitpunkt noch nicht so ganz klar gewesen ist.

 

DSC: Was wünscht du dir für die Zukunft, welche Ziele möchtest du erreichen?

Die Zukunft soll mir lange Jahre als glücklicher Musiker bringen, sodass ich selbst 3 Wochen nach meinem Ableben komponieren kann. Ich möchte auf der Bühne mit meiner Band aktiv sein und trotzdem, abgeschottet von der Welt, Filmmusik schreiben; es gibt so viele tolle Menschen in der Musikwelt und so viele Möglichkeiten, sich zu entfalten, und ich will soviel auskosten wie möglich. Es gibt kaum etwas Schöneres und Dankbareres als die Musik: denn je mehr Arbeit reininvestiert wird, desto größer ist das Glück.

 

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Foto: © Rickie Lee
 
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