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Juli im Künstlerinterview

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Geschrieben von: Adriane Haussmann   
Es ist der 08. Februar und Juli befinden sich mitten auf ihrer Tour, obwohl das Konzert am Abend in Stuttgart bald beginnt, nehmen sich Marcel und Dedi Zeit für ein Interview mit mir.
Als erstes trifft Marcel ein und begrüßt mich freundlich, da Dedi noch etwas auf sich warten lässt, beginnen wir bereits mit den ersten Fragen, nachdem wir ein ruhiges Plätzchen gefunden haben. Einige Minuten später stößt auch Dedi zu uns und steigt sofort bei der nächsten Frage mit ein. Ziemlich relaxed und in guter Stimmung nimmt das Interview seinen weiteren Lauf.


DSC: Gibt es einen Unterschied zwischen JULI bei ihrer Debütsingle und JULI heute?

Marcel: Klaro, es liegen circa 200 Konzerte und 2 Jahre dazwischen. Bei der Debütsingle war ja alles noch ganz neu und aufregend, heute haben wir schon mehr Erfahrung, haben mehr erlebt. Man kann sagen, dass wir unter den Kleinen zwischenzeitlich alte Hasen sind.

DSC: Ihr habt euch 2006 eine längere Pause gegönnt, was habt ihr in dieser Zeit gemacht?
Marcel: Wir mussten erst einmal Songs für das zweite Album haben und das hat allein 9 Monate gedauert. Also die erst zu schreiben und sie dann auch alle aufzunehmen. Meistens war es so, dass wir 4 Wochen in Gießen waren, um Songs zu schreiben und dann 4 Wochen im Studio, um sie zu recorden.

DSC: Seit eurer ersten Single stürmen immer mehr deutsch singende Interpreten die Charts, seht ihr euch als einer der Vorreiter dieser Bewegung?
Marcel: Es gibt viele Bands, die deutsch singen. Der Unterschied ist nur, ob man sie kennt oder nicht und heute kennt man einfach mehr als noch vor zwei Jahren. Es gibt viele Bands, die genauso lange wie wir bestehen, die aber erst später etwas veröffentlicht haben.

DSC: Warum singt ihr deutsch? Wie kam es dazu und wird es so bleiben?
Marcel: Da hast du den richtigsten im Interview erwischt. Ich schreibe keine Songs. Aber die englischen Songs waren nicht so perfekt und mit englischen Songs wird die Konkurrenz weltweit größer. Außerdem hatte Simon hatte bereits einige Songs auf Deutsch gehabt und dabei ist es dann geblieben.

DSC: Was denkt ihr sind die Vor- und Nachteile Teil einer Band zu sein?
Marcel: Der Vorteil ist, dass man nicht allein ist und allein auf der Bühne steht und man kann die Arbeit auf die anderen abwälzen. *grinst* Außerdem bringen mehr Köpfe auch mehr Input mit sich. Aber der Vorteil ist gleichzeitig auch der Nachteil, denn man steht ja nicht alleine, sondern mit einer Band zusammen auf der Bühne. Man kann nicht immer sein Ding durchziehen und das machen, was einem selbst am besten gefällt. In einer Band wird es immer Diskussionen geben.

DSC: Habt ihr euch als Mensch und als Band weiterentwickelt?
Marcel: Das kann man selbst nie so genau sagen. Da müsstest du jetzt Menschen fragen, die mich davor und heute kennen, ob es da jetzt einen Unterschied gibt.

DSC: Gibt es für euch persönlich einen Unterschied zwischen der ersten und der jetzigen Tour?
Marcel: Definitiv! Wir haben jetzt eine bessere Vorbereitung und eine komplette Produktion mit Licht, Technik und einer eigenen Crew. Lass mich mal nachzählen…. Wir haben eine 14-köpfige Crew und ein eigenes Catering mit dabei.
Außerdem spielen wir jetzt erfahrener. Das Lampenfieber ist je nach Konzert nicht mehr ganz so groß. Wobei ich gerade, wenn wir vor wenigen spielen und wenn auch noch Leute im Publikum sind, die man kennt, am meisten Lampenfieber habe und am nervösesten bin.

DSC: Was sind die nächsten Ziele nach der Tour, die ihr in Angriff nehmen wollt?
Marcel: Im Sommer werden wieder Festivals sein und vielleicht gibt es ja eine Herbst-Tour. Aber so genau weiß das keiner.

DSC: Seid ihr mit eurem bisherigen Erfolg zufrieden?
Dedi: Auf jeden Fall, wir wären auch mit deutlich weniger zufrieden gewesen.
Marcel: Es ist alles bestens, wir können uns überhaupt nicht beklagen.

 
DSC: Ihr als Band, für welche Message steht ihr?
Marcel: Ich glaube, das Besondere an der Band ist, dass sie nichts Besonderes ist. Das darf man jetzt nicht falsch verstehen, aber z.B. bei ‚Wir sind Helden’, sie haben kritische und politische Aussagen. Juli hat das nicht, daher sprechen wir vielleicht auch die breite Masse an. Es sind Alltagsmessages über die wir schreiben und vielleicht ist das wirklich der Grund, warum uns so viele Menschen hören. Wir hatten nie vor eine spezielle Message an die Menschen zu bringen, haben nie ein Konzept für so etwas entwickelt.
Dedi: In unseren Songs fehlt die Kritik und die Message, sie haben keinen hohen Anspruch, sondern erzählen von persönlichen Dingen und von keiner Politik.

DSC: Was waren bisher die schönsten Momente, die ihr gemeinsam als Band erlebt habt?
Dedi: Da gab es sehr viele, ich könnte da jetzt keinen hervorheben. Das Angebot des Plattendeals, die erste Goldene, das erste Konzert mit Rosenstolz oder jetzt in Hamburg die erste große Halle mit 5000 Menschen, die nur wegen Juli gekommen waren….
Marcel: Ich denke wir sind sehr besonnene Künstler. Bei unserer ersten goldenen Platte sind wir auch nicht gleich ausgeflippt, sondern haben es erst viel später realisiert. Wir sind keine Menschen, die in solchen Situationen gleich ausrasten. Generell denke ich, dass wir es erst dann zu schätzen lernen, wenn eines Tages alles vorbei sein wird und man nur noch auf die Zeit zurückblicken kann.

DSC: Was wäre die komplett gegenteilige Band von euch?
Marcel: Also wir fünf sind ja schon sehr unterschiedlich und wir kennen nur wenige Bands so gut, dass wir sagen könnten, dass sie das Gegenteil von uns wären.
Dedi: Allgmein könnte man sagen das Gegenteil wären 4 Mädels und 1 Junge…
Marcel: die gecastet und erfolglos sind und ihre Songs von einem Produzenten geschrieben bekommen

DSC: Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, welche Songs nur auf dem Album zu hören sein werden und welche das Potential für eine Single haben?
Marcel: Oft sind wir alle einer Meinung, wie bei „Geile Zeit“, da ist es dann auch klar, was die nächste Single wird.
Dedi: Aber es zählt auch der persönliche Geschmack und falls es nicht offensichtlich ist, gibt es eben eine Diskussion.
Marcel: Ja, der Geschmack ist ein Kriterium und dann auch die Frage was ankommen würde.
Dedi: Und die Liedlänge! Viele Radiostationen spielen keine 3 oder 4 Minutensongs.
Marcel: Und man schaut, was man zuvor veröffentlicht hatte, also war es eine Ballade, dann sollte jetzt wieder eine Up-Tempo Nummer dran sein.

DSC: Welchen Song performt ihr am liebsten live?
Dedi: *überlegt kurz* Ich mag „Wer von euch“ z.B. ganz gerne
Marcel: Also ich kann mich persönlich nicht entscheiden. Ich mag so viele Songs!

DSC: Gibt es ein musikalisches Erlebnis, das ihr am liebsten vergessen würdet?
Marcel: Also ich persönlich würde am liebsten den Auftritt in Köln im Palladium vergessen! *schmunzelt* Aber es passiert eigentlich immer irgendetwas, manche Dinge sind schlimm und manche eben nicht ganz so.
Dedi: Also mir ist persönlich jetzt noch nichts passiert, dass ich gerne im Boden versunken wäre. Es kann mal passieren, dass man den Sender vergisst einzuschalten oder die Batterien leer sind, aber das kann jedem passieren…

DSC: Was vermisst ihr auf Tour am meisten?
Dedi: Mein Zuhause und die Privatsphäre. Den Platz allgemein, der ist auf Tour einfach nicht so gegeben, dass man sich richtig zurückziehen kann.
Marcel: Eigentlich vermisst man alles, was während der Tour nicht da ist!

DSC: Wenn ihr für einen Tag ein anderes Bandmitglied sein könntet, wer wäre dies?
Dedi: Ich wäre gerne mal der Schlagzeuger und würde mir gerne mal das Konzert vom Thron aus ansehen. Außerdem sitze ich gerne und kann im sitzen besser spielen.
Marcel: Ich will nicht tauschen! *denkt kurz nach* Obwohl, ich möchte gerne mal mit Simon tauschen, denn er sagt immer „In der ersten Reihe war so ein süßes Mädchen!“ und ich sehe hinter dem Schlagzeug nichts. Ich will das auch mal sehen!

DSC: Was möchtet ihr, dass andere über euch als Band denken?
Marcel: „Das ist der Geilste!“ *grinst breit*

DSC: Wie sieht eurer Touralltag aus?
Marcel: Also wir wohnen und fahren mit unserem Tourbus. Gebraucht werden wir Musiker eigentlich immer erst ab 16Uhr wegen des Soundchecks und so. Ich hab mir jetzt ein Klapprad gekauft mit dem ich dann immer ein bisschen durch die City fahre, andere nutzen die Zeit zum Schlafen. Beim Mittagessen sind dann aber immer alle da.
Dedi: Und dann haben wir ja noch Promotermine, Interviews und am Abend das Konzert. Die wichtigste Zeit ist aber eigentlich zwischen 18Uhr und 20Uhr, weil wir da das Essen beim Catering bestellen können. *grinst*
Und dann müssen wir uns ja auch noch immer umziehen und warm singen und spielen.
Marcel: Und nachts um 3Uhr fahren wir dann schon wieder weiter. Aber das ist ja eigentlich egal, denn unsere Betten sind im Tourbus und da ist es egal, ob der steht oder fährt.

DSC: Wenn man euch mit anderen Bands entführen würde und nur eine Band freikaufen könnte, warum sollte man für euch Lösegeld bezahlen?
Marcel: Also spontan fällt mir da keine Antwort ein. Das ist ja auch alles Geschmackssache. Ich meine, es kommt ja auch drauf an wer da mit uns entführt wäre. Bei manchen Bands würde ich sicher gerne bleiben und bei anderen so schnell wie möglich wegwollen.
Dedi: Man sollte uns befreien, weil wir so nett und sozial sind und gute Musik machen…
Marcel: und gerne in Freiheit leben!


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Foto: © Sven Sindt

 
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