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Die Band Tiefer im Interview

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Geschrieben von: Isabell Messemer   
Sonntag, 30. Januar 2011 19:08
Es ist kurz vor ihrem Auftritt und die Nervosität steigt. Dennoch nehmen sich die Jungs von Tiefer in der Altstadtschmiede in Recklinghausen Zeit für ein Interview mit uns.

 

DSC: Wie gehts Euch? Seid Ihr schon aufgeregt?

Rene: Aufgeregt noch nicht. Wirst du noch aufgeregt, Phil?
Phil: Ich glaub das fängt bei jedem anders an.
Bonny: Also wir freuen uns natürlich auf heute Abend. Man ist immer so ein kleines bisschen aufgeregt, aber das ist auch gepaart mit Vorfreude. Aber wenn du zwei Minuten auf der Bühne stehst, ist das weg. Dann gehts weiter und dann hört man nichts mehr.
Rene: Stimmt, Ich höre sowieso gar nichts!

 

DSC: Wie seid Ihr auf euren Bandnamen Tiefer gekommen?

Oz: Das war deine Idee!
Rene: Ja, das war meine Idee. Ich fand das Wort gut, man kann mit dem Wort viel verbinden. Das sei dann jedem selber überlassen, was man damit verbindet. Das ist einfach plakativ.
Bonny: Ja, das ist plakativ, auf jeden Fall. Aber was so gut ist an dem Wort Tiefer, dass wir ausdrücken können oder du sagen kannst: Die Musik ist tiefer. Wir verbinden tiefe Gefühle damit. Da gab es noch so einige Beweggründe.
Wir wollen die Leute tief  bewegen. Das sehe ich auch immer wieder im Internet, dass die Leute das verstehen. Das sie sagen: Hey, das geht tiefer!
Rene: Die Leute benutzen es selber schon ständig! Das stimmt und deswegen passt es gut!

 

DSC: Drei von  Euch haben ja in der Thomas Godoj Live Band gespielt (Rene, Bonny, Sebastian) zwei von Euch immer noch (Bonny und Sebastian). Dadurch seid Ihr schon bekannt. Stört Euch das, oder findet Ihr es gut, dass Ihr die Fans von Thomas auch mit Euren Projekten begeistern könnt, die Ihr außerhalb der Band macht?

Oz: Da ich nicht bei Thomas Godoj gespielt habe, kann ich sagen: Das ist ein guter Effekt. Das wir also drei Leute von Thomas Godoj dabei haben. 
Rene: Zwei!
Oz: Das ist ein total guter Nebeneffekt, weil natürlich jetzt viele Leute schon interessiert sind an der Musik und an der Band. Und das wäre vielleicht vorher ohne sie nicht so sehr gewesen.
Sebastian: Das wäre schwieriger gewesen.
Oz: Genau
Sebastian: Das freut uns trotzdem, dass wir so großen Anklang haben.
Oz: Auf jeden Fall.
Bonny: Aber das ist total super. Und wir sind auch froh und ein bisschen stolz, dass immer mehr Leute uns gut finden. Sie waren am Anfang ein bisschen kritisch, was ja auch okay ist, aber jetzt wollen alle unsere Lieder hören und das freut uns.

 

DSC: Würdet Ihr Euren Berufsalltag aufgeben, wenn Ihr mit TIEFER sehr erfolgreich werden würdet?

Rene: Kann man heutzutage nicht. Haben wir alle schon bei Thomas nicht gekonnt und werden wir auch zukünftig nicht können.
Phil: Man kann von Musik nicht wirklich leben.
Bonny: Es sei denn, man macht vielleicht anständige Musik und nicht so etwas Komisches. Das hängt einfach damit zusammen, was man verdient. Wenn man mit dieser Band Welttourneen macht…
Rene: Zum Beispiel nach Australien!
Bonny: Wenn man monatlich sein Einkommen hat und das auch gut planen kann über einen gewissen Zeitraum.
Rene: Und genau so ist es bei Bands ja immer!
Bonny: Wenn du das verdienst, was du jetzt verdienst, wirst du niemals gut auskommen.

 

DSC: Wie würdet Ihr Eure Musik beschreiben? Welche Zielgruppe habt Ihr?

Sebastian: Eine tiefere Zielgruppe.
Rene: Ich hab eine Umfrage bei MySpace und Facebook angeschaut mit einer Kurve. Die Zielgruppe die sich automatisch ergeben hat, liegt zwischen 25 und 40.
Bonny: Aber mir fällt keine genaue Zielgruppe ein. Unsere Musik ist für jedermann, deshalb schreiben wir auch über viele Themen. Wem es gefällt.

 

DSC: Und wer schreibt Eure Texte?

Rene: Unterschiedlich.
Bonny: Also die meisten Texte schreibt der Rene. Aber eigentlich schreiben wir alle. Phil hat letztens auch einen sehr schönen Song aus dem Leben geschrieben. Und da sind wir bei dem guten Aspekt: Die Themen. Die sind für jeden verständlich. Wir haben sehr, sehr publikumsnahe Texte z.B. „King im Revier“, da kann sich jeder ein bisschen reinfühlen. Nachbarn, die zu einem gewissen Grad nerven können oder mit denen man sich nicht versteht. Also theoretisch schreibt jeder, aber Rene schreibt die meisten Texte.
Rene: Aber auch eigentlich nur dadurch, dass die Entstehung anfangs so gewesen ist, dass ich die meisten Texte am Anfang geschrieben habe, weil Bonny auch nicht die Zeit hatte zu schreiben. Der Bonny hat in seinem Leben – in seinen 370 Jahren - bestimmt schon das Dreifache an Songs geschrieben. Nein, hat er nicht.
Die Scheibe wird ja bald kommen und da hängt das Gleichgewicht noch zu einer Seite. Aber das wird in Zukunft nicht so bleiben. Wir wollen schon, dass wir uns als Band mehr einbringen können. Wir haben zum Beispiel gar nicht geahnt, dass der Phil diese Fähigkeiten hat, dieses 2-Akkord-Songwriting.
Sebastian: Diese lyrischen Fähigkeiten…
Rene:  Phil hat die Texte eingesungen, die fand er auch cool und sagt uns auch, wenn er etwas nicht cool findet. Und dann hört er etwas, spielt etwas oder kommt mit zwei, drei Sätzen um die Ecke und dann denkt jeder: Das ist aber gut. Und deshalb wollen wir das in Zukunft natürlich auch nutzen.

 

DSC: Ihr habt deutsche Texte. Könnt Ihr Euch vorstellen mal in einer anderen Sprache zu schreiben?

Rene: Bonny eigentlich nicht!
Sebastian: Bonny möchte in libanesisch singen!
Bonny: Nein, wir haben am Anfang mal gedacht, etwas auf Englisch zu schreiben. Man sollte offen bleiben und gucken, was kommt.
Phil: Wäre möglich, dass wir auf dem nächsten Album auch englische Texte haben.
Bonny: Ich persönlich sehe das auch so, dass man kategorisch nichts ausschließen sollte. Es gab ja auch in der kurzen Zeit so viele Überraschungen in der Band. Es kommt ein Song, der plötzlich ganz anders ist, zum Beispiel “Keine Namen“, der eine neue Richtung aufzeichnet. Da kann noch ganz viel passieren.
Rene: Musikalisch ist es wirklich kunterbunt. Von bretthart bis zu sehr schmusig ist alles dabei. Auch sehr viele Popelemente und sogar tanzbare Sachen, wo man selber gesagt hätte früher: „Wie? Tanz? Tanz Baby tanz…“

 

DSC: Und habt Ihr einen Lieblingssong auf der Setliste, den Ihr am liebsten live spielt?

Rene: Da kannst du wahrscheinlich jeden einzelnen fragen.
Sebastian: „Keine Namen“
Oz: Ich schließ mich da an, weil ich nicht alle auswendig kenne.
Phil: Ich würde sagen „Freund oder Feind“ ist live ziemlich gut.
Bonny: Für mich ist „Keine Namen“ der Song, auf den ich mich am aller meisten live freue. Das ist ein sehr grooviger Song, sehr poppig und er ist einfach cool.
Rene: „Keine Namen“ gehört bei mir auch dazu und „King im Revier“, weil er schön simpel ist und man auch ein bisschen abgehen kann bei der Nummer. Ich freue mich heute auch sehr auf „Gretchen“. „Gretchen“ ist etwas Spezielles.

 

DSC: Produziert Ihr Euer Album komplett selbst oder sucht Ihr Hilfe von Produzenten?

Oz: Ja. Das ist komplett mit einem „Ja“ zu beantworten. Das machen wir selber und wir haben sehr talentierte Leute in der Band.
Rene: Ich habe ganz vergessen, dass hier noch jemand am Tisch sitzt, der ganz genau weiß, dass wir in seinem Studio waren.  Wir haben teilwiese die Drums dort aufgenommen. Wir haben für drei Songs, die auf dem Album landen werden – eigentlich für zwei Songs - und dazu haben wir die Drums beim Chris  im Studio aufgenommen. Danach hat sich das einfach so ergeben, dass die Fahrerei doch sehr weit ist. Der Chris und der Toni - mit dem wir auch zusammen arbeiten - sind beides Leute, die wir beim Thomas kennen gelernt haben.
Sebastian: Sehr, sehr gute Leute!
Rene: Sehr, sehr gute Leute! Wir haben ziemlich schnell begriffen, dass die ganze Fahrerei dafür, sehr aufwendig geworden wäre und haben, wie man auch im Internet verfolgen kann, meinen Keller vollkommen ausgebaut, damit wir das alles bei mir zu Hause machen können.

 

DSC: Also sucht Ihr keine Plattenfirma?

Rene: Eine Plattenfirma würden wir schon gerne suchen. Heutzutage raten ja viele: „Lasst es. Macht es lieber selber.“ Aber ansonsten würden wir es doch schon gerne probieren, auf jeden Fall. Aber das hat mit der Produktion gar nichts zu tun. Ich habe viel geschwitzt und geblutet für die Scheibe. Es kann natürlich sein, dass wir damit zu einer Plattenfirma gehen und die sagen: „Ja, wir finden das eigentlich ganz gut“. Oder, dass wir alles noch einmal neu machen müssen, das kann natürlich auch passieren.
Sebastian: Wenn man damit einverstanden ist.
Bonny: Es wird ja alles immer so schnell auf die Plattenfirmen reduziert. Es gibt sehr viele Leute, die einen weiterbringen können und helfen, darunter auch Booker. Es gibt Leute, die einen beratend zur Seite stehen oder auch die Medien. Also jeder, der sich berufen fühlt uns zu helfen oder eine geschäftliche Basis mit uns eingehen will, kann sich gerne melden. Aber wir ziehen unser Ding auch alleine durch, wenn es sein muss. Wenn uns jemand unterstützen will, umso besser.
Rene: Unterstützung ist, wie heute in diesem Fall, der Chris. Der Chris ist heute schon das zweite Mal von drei Gigs, die wir hatten, mit dabei. Und das ist auch Unterstützung für uns. Wenn jemand sagt, ich hab Lust darauf, ich hab Bock darauf, mir gefällt was ihr macht. Da sind wir dann sehr dankbar.

 

DSC: Euer Debutalbum „Frei von Schuld“ soll bald erscheinen. Wisst ihr schon genau wann oder könnt Ihr etwas darüber erzählen?

Rene: Wir können das nicht genau sagen. Wie das so ist, wenn man nicht im professionellen Business mit der Sache ist. Dann hat man nicht jeden Tag Zeit und kann es nicht so machen, wie man möchte. Gerade in manchen Berufen -  wie zum Beispiel bei Bonny im Beruf - kommt es schon einmal vor, dass es Phasen gibt, wo man drei Wochen lang  für gar nichts mehr Zeit hat und dann stockt es einfach. Da kann man auch nicht groß etwas dran ändern. Man kann es nicht übers Knie brechen.
Bonny: Gut Ding will Weile haben.
Rene: Dieses „Gut Ding will Weile haben“ muss nicht unbedingt sein, aber man kann es auch nicht übers Knie brechen.
Bonny: Aber es dauert nicht mehr ganz so lange.
Rene: Es dauert nicht mehr ganz so lange, aber es gibt noch einen anderen Hintergrund. Wir wollen einen Song noch ein bisschen ausschmücken mit etwas von Extern und da werden wir ja frühestens Ende Februar zu kommen. Das wird hoffentlich das Letzte sein, das wir für das Album aufnehmen und danach wird es dann ziemlich schnell gehen.
Bonny: Was man auch noch sagen kann im Zusammenhang ist, dass noch ein Externer kommt und singt. Das meinst du, oder?
Rene: Nein, das mein ich nicht.
Bonny: Ach, das meinst du gar nicht?
Rene: Nein.
Bonny: Weil das ist auch zum Beispiel ein Punkt. Wir haben noch den Achim Petry, ein guter Freund von uns, der auch auf dem Album gesungen hat. Das ist auch noch nicht ganz fertig und das, was er jetzt machen wird, kommt auch noch dazu. Wahrscheinlich wird auch noch jemand dazu kommen, aber das wollen wir noch nicht verraten, wann und wo. Aber das Album wird auf jeden Fall interessant.

 

DSC: Und was wünscht Ihr Euch für die Zukunft?

Oz: Friede, Liebe…
Alle: Viele gut besuchte Gigs
Sebastian: Und gute Stimmung bei den Gigs
Rene: Ja, das ist die Hauptsache
Phil: Und eine Fanbase aufzubauen.
Oz: Und dass wir vielleicht irgendwann Freunde werden….
Bonny: Ja, der Olli will immer unser Freund sein, ich weiß auch nicht wieso.
Rene: Wir haben es schon so geregelt, dass der Olli beim Proben extra in einem anderen Raum sitzt.
Sebastian: Ja, richtig.
Bonny: Und das stimmt sogar!
Oz: Ja, das stimmt sogar!

 

DSC: Dann bedanke ich mich für das Interview!

Rene: Bist du schon durch?

 

DSC: Ja, wir sind schon durch.

Rene: Ja dann, danken wir auch!

 

Interessante Links:
Thomas Godoj im Interview
Luxuslärm im Interview

 

Foto: © Isabell Messemer

 
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