Casper & Co. - Verkehrte Welt? |
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| Geschrieben von: Simone Bauer |
| Montag, 08. August 2011 12:47 |
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Die Meanstreamwelt im Wandel Bärte und Nerdbrillen gehören nicht länger nur der Hipsterkultur an, Flanellhemden sind von den Kings Of Leon rüber zu den Hip Hoppern gewechselt. Casper rappt, hart, aber ehrlich, ohne das Ganze „Bling Bling“-Gedöns, aber eben in Indieverkleidung, sprich: Skinny Jeans und Flanellhemd. Gitarrenriffs durchsetzen seine Songs, Thees Uhlmann kommt bei ihm im Studio vorbei. Der Thees Uhlmann, der auch bei den Indies von Atomic ein Gastspiel auf deren neuem Album hat. Der Thees Uhlmann, der im August sein selbstbetiteltes Soloalbum veröffentlichen wird. Aber das ist der breiten Masse weitgehend egal. Denn die diskutiert lieber über Casper. Menschen, die sonst nie einen Zugang gefunden hätten zu ihm. Das ist natürlich schön für ihn und erweitert seine Zielgruppe – doch die diskutiert nun eben auch über sein Aussehen. Was vielleicht von seiner Musik und seiner Botschaft ablenkt. Aber mit der Botschaft, ach, damit hat der deutsche Radiohörer ohnehin nicht viel am Hut. Und so hypt er „Nur Noch Kurz die Welt retten“. Nicht, weil er den Sinn dahinter gut findet – einfach mal das Blackberry daheim liegen lassen und beispielsweise am Leben der eigenen Kinder teilnehmen -, sondern sich selbst und seine Arbeitsmoral abfeiert. Überstunden ohne Ende? Yes, dieser Song ist meine Hymne!
Eine ähnlich verquere Auffassung wie „Lasse Reden“ von Die Ärzte, als dies ein Oktoberfesthit wurde, obwohl es genau die, die es mitgröllten, anprangerte. Ein Grund könnte im verlorengegangenen Sommer liegen. Die Veröffentlichung eines fetten Sommersongs macht dieser Tage keinen Sinn – es regnet, ist kalt, man hat Angst vor plötzlichem Schneeeinbruch. „Mr Saxobeat“ war der einzige – und zugleich schrecklichste – Sommersong in den Charts, vielleicht mal abgesehen, was Jennifer Lopez versucht zu treiben. Stattdessen wendet man sich lieber „Emorap“ zu, wie die Casper-Gegner ihn nennen. Schön dunkel und schwarz-weiß. Oder melancholischen, nachdenklichen Tunes von Tim Bendzko - vermeidlich. Denn die, die auf solche Art von Songs prädestiniert sind, machen entweder eine Pause (Kettcar) oder veröffentlichen ein Album mit sommerlichschönen Songs wie „Sommer in der Stadt“ (Thees Uhlmann). Bleibt zu hoffen, dass bald wieder die starke Sonne scheint. Dann kann Casper im Untergrund begeistern, Weltretter Tim Bendzko von der Oberfläche verschwinden und die Hamburger Schule bekommt die Aufmerksamkeit, die ihr gebührt.
Interessante Links:Offizielle Webseite von Casper Jetzt das Album downloaden Offizielle Webseite von Tim Bendzko Nur noch kurz das Bendzko-Album downloaden Was machen eigentlich Tomte? Oder doch lieber Kettcar hören
Foto: © Julian Essink, Bielefeld 2010 |
