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„Besser als gestern“ und „TIEFER“ brachten die Altstadtmiede zum Kochen

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Geschrieben von: Isabell Messemer   
Freitag, 04. Februar 2011 14:34
In der Altstadtschmiede in Recklinghausen fand vergangenen Freitag das Doppelkonzert von „Besser als gestern“ und „Tiefer“ statt. Ich war sehr gespannt, da „Besser als gestern“ eher ein jüngeres Publikum anspricht und „Tiefer“ ein etwas Älteres. So stellte das Konzert eine gute Herausforderung für beide Parteien da.

 

In die Altstadtschmiede passen gut 100 Leute und es gab nur noch vereinzelte Karten an der Abendkasse. Daher war das Konzert binnen weniger Sekunden ausverkauft. Gegen 19.30 Uhr füllte sich der Saal bis auf den letzten Zentimeter und die Luft wurde stickiger. Ich war froh, dass ich erst den Raum betreten musste, als das Konzert begann.

 

„Besser als gestern“ machte den Anfang um ca. 20.30 Uhr. Bereits nach den ersten Tönen war klar: Die Band ist besser als gedacht. Viel rockiger, als man den jungen Mitgliedern zugetraut hätte. Und so erklärt sich auch ihr Bandname von selbst. Der Sänger Boni begrüßte das Publikum mit den Worten: „Hallo Recklinghausen, wir sind „Besser als gestern“. Nach dem ersten Song waren die meisten Besucher mitgerissen und das nicht aus Welpenschutz, sondern aus voller Überzeugung.

 

Da das Publikum nicht zuletzt wegen der Band „Tiefer“ aus vielen Thomas Godoj Fans bestand, kannte man sich untereinander schon. Denn „Besser als gestern“ war schon mehrmals Vorband des Künstlers. Die jungen Rocker aus Marl hatten 12 Songs im Gepäck, die sie ohne große Geschichten zwischen den Songs solide beim Publikum ablieferten. Ein Highlight stellten auch die deutschen, teils melancholischen Texte da, die jeden Kritiker vom Talent der Musiker überzeugten.

Nach dem 10. Song verabschiedete sich die Band, betrat aber kurze Zeit später wieder die Bühne, um die letzten beiden Songs als Zugabe zu spielen.

 

Zwischendurch schrie der Sänger Boni immer wieder: „Wir sind „Besser als gestern“. Es sollte sich schließlich jeder den Bandnamen merken, denn die Jungs hatten schon einige Namenswechsel hinter sich. Nach einer knappen Stunde verließ die Band die Bühne und alle warteten gespannt auf „Tiefer“. Diese ließen auch nicht lange auf sich warten und stürmten voller Vorfreude nach kurzem Umbau auf die Bühne.

 

 

Ab jetzt rockten "Tiefer"

Nachdem Bassist Bonny sich mit genug Getränken versorgt hatte und „technische“ Probleme überwunden wurden, begann ihr Auftritt mit dem Song „Anfang vom Ende“. Doch das war es keines Falls, denn jetzt ging es erst so richtig los. Es folgte das energiegeladene „Flammen“. Wegen weiterer, kleiner „technischer“ Probleme, stimmte Sänger Phil a capella „Wir alle“ an, dieses Zusatzlied fand großen Anklang beim Publikum und alle unterstützen ihn tatkräftig. Danach konnte es auch schon mit dem Song „Grenzen“ weitergehen.

 

Ein Highlight stellte der Song „Madame schwarzweiss“ da, der sich von den anderen Songs stark abhob. Das Stück klingt etwas nach Jazz und besitzt einen Retro-Touch, ist aber auf keinen Fall altmodisch. Da dies der Song war, den die meisten Leute schon komplett aus dem Internet kannten, erhellte dieser die Stimmung natürlich um Einiges. Zwischendurch übte Sänger Phil mit den Fans den Gesangpart für „Gretchen“ ein. Bei dem neuen Titel, der an diesem Abend Premiere feierte,  sollte jeder „Ahhh“ mitsingen. Da das keine große Gesangskunst darstellte, konnte es natürlich jeder auf Anhieb. Es mangelte nur etwas am Willen einiger Besucher.

 

Doch die Zeit war noch nicht gekommen, denn es ging erst einmal mit dem Song „Frei von Schuld“ weiter, der gleichzeitig der Titel des ersten, bald erscheinenden Albums der Band ist. Danach folgte das Lied „King im Revier“, welches die Probleme des Alltags beschreibt und wieder einmal mit authentischem, deutschen Text überzeugte. Ebenfalls herausragend war die große Spielfreude der einzelnen Mitglieder. Jedem Musikfreund geht das Herz auf, wenn man die Jungs an ihren Instrumenten beobachten kann. Während des Konzertes kommt ihnen natürlich auch ihre jahrelange Banderfahrung zu Gute, da alle schon in verschiedenen Bands gespielt haben und somit auch Bühnenerfahrung außerhalb von „Tiefer“ sammeln konnten.

 

Es folgte das geheimnisvolle „Gretchen“, dessen Text man vielleicht nicht ganz so ernst nehmen sollte. Es ist aber ein sehr spezielles, außergewöhnliches Lied, das die Menge sofort ins Herz schloss. Alle sangen brav „Ahhh“ mit und Phil lobte die Fans mit den Worten: „Da wird das Gretchen sich aber freuen“. Bei dem Song „Der Aussenseiter“ war die Stimmung dann auf dem Siedepunkt. Die vorletzte Nummer „Freund oder Feind“ fordete der Band noch einmal alles ab und diese rockte, was das Zeug hielt. Danach verabschiedeten TIEFER sich auch schon.

 

„Das war der letzte Song.“ Aber natürlich wussten alle, dass noch ein Song fehlte. Es standen schließlich 10 Songs auf der Setliste. Vor dem Konzert kündigte die Band bereits an, dass es 15 Überraschungen geben wird. Und diese lüfteten sie dann, als sie für die Zugabe wieder die Bühne betraten. „Wer den weitesten Anfahrtsweg hatte, bekommt eine von diesen 15 CDs“ Alle wollten natürlich eine dieser Platten besitzen und so ging es fast wie bei einer Lotterie zu, bei der alle fröhlich ihre angeblich zurückgelegten Kilometer in den Saal riefen. Die Jungs kannten aber schon einiger ihrer Fans persönlich, sodass schummeln unmöglich war, auch wenn es viele versuchten. Am Ende wurden dann alle CDs verteilt und die große Prügelei um die begehrten Scheiben blieb zum Glück aus.

 

Es folgte „Keine Namen“, der Lieblingssong der meisten Bandmitglieder. Phil teilte die Menge in zwei Gruppen ein. Die rechte Menge sang: „Keine Namen“, die linke Menge: „keine Fragen“. Das war ebenfalls schnell eingeübt, obwohl Phil immer wieder zum lauteren Mitsingen animieren musste. Der Song ist groovig, sehr poppig und besitzt einen Text, der aus dem Leben geschnitten ist. „Keine Namen“ handelt von einem Menschen, der jede Nacht eine andere Frau abschleppt. Deshalb auch der Refrain: „Keine Namen, keine Fragen“. Gitarrist Rene fügte zum Glück noch hinzu, dass jede Nacht doch etwas übertrieben wäre. Dennoch ist dies ein Text, der an diesem Abend wieder bewies, wie publikumsnah und aus dem Leben gegriffen die Texte der Band sind.

 

Sie verbinden Rock, Pop  und tanzbare Elemente mit bodenständigen Texten, denn sie wollen die Leute tief berühren. Und das haben sie an diesem Abend auch geschafft. Das Konzert endete leider genauso schnell, wie es angefangen hatte. Nach ca. 45 Minuten war bereits um ca. 22.40 Uhr Ende in der Altstadtschmiede. Was blieb, war eine tiefberührte Menge und sicherlich viele glückliche Leute, die nicht das letzte Mal ein „Besser als Gestern“ und „Tiefer“ Konzert besucht haben.

 

 

Interessante Links:
Die Fotos des Abends
Tiefer im Interview
Thomas Godoj im Interview

 

 

Fotos: © Isabell Messemer

 
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